Kolumne: Die Arbeitsagentur und ich.

Bild: privat

Kolumne

Was macht eine ehemalige Jobcenter-Arbeitsvermittlerin, wenn sie sich selbst bei der Arbeitsagentur vor Ort meldet? Zunächst mental, physisch und innerlich sich darauf vorbereiten: Doppel-Kaffee schlürfen und Morgen-Twitter-Runde einläuten, nebst einem Nutellabrot.

Aber fange ich von vorne an. Irgendwann kommt der Moment, wo es Zeit wird der ortsansässigen Arbeitsagentur einen Besuch abzustatten. Und Vorbereitung kann ja nicht schaden. Dachte ich. So besuchte ich den Internetauftritt der Bundesagentur für Arbeit und beginne meine persönliche Feldstudie. Mein erster Schritt ist also die Registrierung als „Kundin“, um mich nicht ganz der Digitalisierung zu verschließen. Nach Eingabe meines Namens und dem Tag, als ich das Licht der Welt erblickte, erwartete ich mit Spannung die personalisierte Post meiner PIN zur Freischaltung des Benutzerkontos. Neutral hielt ich sie innerhalb von zwei Wochen in den Händen. Zuvor wies mich die digitalisierte Anmeldung darauf hin, dass ich zwecks Identitätsprüfung nun vor Ort selbst erscheinen soll oder die Servicenummer 0800 4 5555 00 anrufen kann. Gelesen, getan. Kostenlos wirkt immer. Nur Servicenummer wirkte nicht. An drei unterschiedlichen Tagen versuchte ich irgendwie durchzukommen. Am dritten Tag überprüfte ich, ob ich meine Telefonrechnung ignoriert habe. Nein. Zahlendreher wäre noch eine Alternative. Auch ein Nein. Überprüfung der gesamten Servicenummer. Alles richtig. Ein Dé­jà-vu ploppte auf. Woran erinnert mich dieses? An meine Kleinen Anfragen zum Telefonservice der Jobcenter und der Kritik daran, dass es nur teilweise funktioniert. Aber, warum soll es mir anders ergehen?! Ignoriere ich einfach mal. Möglich ist dieses, da die fehlende Personalisierung nicht existenzgefährdend ist.

Aber immerhin hatte ich schon mal eine „Kundennummer“. Hier war das System ganz fix. Und diese war noch ganz jungfräulich: neu und unverbraucht. Kaum abgeschlossen, leuchtete sie mir im vollen Glanze entgegen. Der frei gewählte Tag zur persönlichen Meldung rückte näher. Ich gebe zu in Abhängigkeit des Wetters, der Laune und der Zeit. Im Gepäck meine neue „Kundennummer“, Personalausweis, Handy und Schokolade. Eine junge, freundliche Dame begrüßt mich am Empfang. Vorlage des Ausweises und dem Hinweis auf meine jungfräuliche „Kundennummer“. Was nicht erfolgte, war das Aufzeigen meiner „Historie“ im internen Verbis-System als registrierte „Kundin“. Weder gab es die „Kundennummer“, noch gab es mich. Physisch fühlte ich mich allerdings durchaus anwesend. Und mein Magen rief nach Schokolade. Aber mit vollem Mund redet es sich schlecht. Freundlicher Tipp auf meine alte bisherige begleitende historische „Kundennummer“ aus Süddeutschland; in Hamburg bereits schon mal reaktiviert. Null, niente, nothing. Charmant wurde ich dem Wartebereich zugewiesen. Die Hoffnung auf ein zweites Schokoladen-Frühstück zerschlug sich schnell. Kaum den Stuhl platt gedrückt, wurde ich freundlich zur netten und offen gesinnte Integrationsfachkraft gebeten. Erneut die Suche nach meiner Identität im System. Verbis blieb still. Bestätigt wurde allerdings die Löschung meiner neuen „Kundennummer“. Umsonst auswendig gelernt. Eigentlich schade. Sie hatte eine ganz sympathische Zahlenreihenfolge. Die Bundesagentur für Arbeit als moderne Dienstleistung hat natürlich noch weitere Möglichkeiten verschollene „Kunden“ zu finden. Das „Step“-Programm – Schritt zwei im Aktivierungsmodus. Und siehe da: Mich gibt es – inklusive alt bekannter alemannischer „Kundennummer“. Nun bin ich aber erleichtert. Aber so was von.

Schritt drei folgte: Als ehemalige Mitarbeiterin im System der Erwerbslosen und Arbeitsuchenden gibt es die Regelung, dass meine Daten vor Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter blickdicht sind. Ein mal kurzes Schnüffeln was „Hannemann“ treibt, sollte somit ausbleiben. Ob ich „inkognito“ bin, lasse ich natürlich durch mir wohlgesonnene Ex-Kolleginnen und Kollegen bestätigen. Im System angekommen gehe ich nun in mich und überlege, welche Weiterbildungen, aufgrund drohender Arbeitslosigkeit, für mich in Frage kommen. Eigentlich wollte ich schon immer Portugiesisch lernen. Für die Zukunft und so. Até a próxima. Fortsetzung folgt.

PS: Mein eigentliches Ziel Anträge mitzunehmen schlug fehl. Bin ja noch nicht „arbeitslos“ oder ähnliches. Online geht es – unter meiner jungfräulichen neuen „Kundennummer“. Nur gibt es diese ja nicht vor Ort. Nun ja … ich komme wieder.



Kategorien:Bundesagentur für Arbeit

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