Die Jagd auf die vordersten Seiten der Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit

Auf der Suche nach einer Tätigkeit greifen die Menschen auch auf die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit (BA) zu. Aktuell bietet sie rund eine Million Stellen. Dem gegenüber stehen online rund drei Million Bewerber. Stellensuchende und Arbeitgeber kritisieren schon lange die Häufigkeit der Angebote über Zeitarbeitsfirmen oder Personaldienstleister. So berichtete „plusminus“ (ARD) im Dezember 2014, dass die BA Arbeitsuchenden oft Stellen in der Zeitarbeit vorschlägt und mit den Leihfirmen eng zusammen arbeite. Sie stellten heraus, dass in der Jobbörse auf den ersten Seiten fast nur Zeitarbeitsangebote zu finden sind. Wie hängt das zusammen?

Kooperations-Vereinbarung mit Extra-Service

Bekannt dürfte sein, dass die BA mit Zeitarbeitsfirmen, Personaldienstleistungen und Unternehmen Kooperations-Vereinbarungen abschließt. Diese soll eine einheitliche und reibungslose Zusammenarbeit der regionalen Arbeitsagenturen sicherstellen. Gleichzeitig optimiert es das Zusammenführen von Arbeitssuchenden und Arbeitslosen (Duktus der Bundesagentur für Arbeit) als Bewerberinnen und Bewerber in der Jobbörse. Um es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Arbeitgeberservices einfacher zu gestalten, haben die Zeitarbeitsfirmen, Personaldienstleistungen und Unternehmen die Möglichkeit ihre Stellenangebote über eine Schnittstelle selbst in die Jobbörse einzutragen und zu ändern. Dabei erhalten sie eine Betreuung durch die BA und deren Arbeitgeberservice vor Ort. Die BA sieht ihren Vorteil darin, neben der Zeitersparnis bei den eigenen Mitarbeitern, dass die Anzahl von Stellenangeboten und die Transparenz steigen. Gleichzeitig haben die Betriebe die Möglichkeit sich die Bewerberdaten aus dem System und dem parallel laufendem „Matching“ herauszuholen, um den idealen Kandidaten oder Kandidatin zu finden. Kenntnisse, Fähigkeiten und Lebenslauf können auf diese Art und Weise sichtbar gemacht werden, sofern es nicht auf anonym gestellt wurde. Die Vorteile für die Arbeitgeber liegen auf der Hand. „GermanPersonnel“ oder „XING AG“ sind zwei von 60 alternativen Stellenbörsen, die ihre Stellenangebote an die Bundesagentur für Arbeit parallel zu ihren eigenen Veröffentlichungen automatisch übermitteln. Ist ein Import von Stellenangeboten möglich, exportiert die BA auch. Nach dem aktuellen „Statusbericht Kooperations- und Allianzmanagement“ sind öffentlich-rechtliche Institutionen und ein kleiner Teil der zugelassenen kommunalen Jobcenter Exportschlager.

Künstlich erstellte Aktualisierungen sichern einen vorderen Seitenplatz

Die BA hat somit 446 aktive Kooperationspartner, die von rund 82 Prozent mit Zeitarbeit-, Leiharbeit- und Personaldienstleistungen (Arbeitnehmerüberlassung) besetzt sind. Bekannte Namen wie Randstad Deutschland GmbH & Co. KG, persona service oder Manpower GmbH füllen die Jobbörse mit besonders zahlreichen Stellenangeboten. 60 alternative und aktive Stellenbörsen bringen der Jobbörse rund 87.000 Stellenangebote. Diese Zahl ist annährend so hoch wie rund 91.000 Stellenangebote durch die Zeitarbeitsfirmen, Personaldienstleistungen und Unternehmen. Nun sind rund 178.000 Stellenangebote nicht gleich eine Million Stellenangebote. Und trotzdem beschleicht einen das Gefühl die Jobbörse beherbergt mehrheitlich Zeitarbeit. Viele Leihfirmen oder sonstige Unternehmen haben keine Kooperationsvereinbarung mit der BA abgeschlossen. Die Jobbörse aktualisiert sich in der Reihenfolge der aktuellen Stellenangebote. Kooperationspartner können so autonom ihre Stellenangebote ständig neu einstellen. Oder, ohne Kooperations-Vereinbarung und Schnittstelle, das Datum des Stellenangebotes ändern. Somit wird die Jobbörse zur Spielwiese der Zeitarbeitsfirmen. Ein vorderes Ranking auf den ersten Seiten der Jobbörse ist gesichert. Unternehmen beklagen sich schon lange darüber, dass sie durch die Zeitarbeitsfirmen mit ihren Stellenangeboten auf die hintersten Seiten der Jobbörsen rutschen und ihre Anzeigen keine Beachtung finden. So lehnen viele eine Zusammenarbeit mit der BA ab. Das könnte erklären, dass die Kooperationsvereinbarungen mehrheitlich von Zeitarbeitsfirmen und Personaldienstleistungen verwendet werden.

Als Fazit kann nur immer wieder davon abgeraten werden seine Bewerberdaten bei der zuständigen Sachbearbeitung in den Jobcentern oder Arbeitsagenturen auf öffentlich zu stellen. Vielmehr sollten sie anonym sein, um nicht aus München ein Stellenangebot zu erhalten, wenn man selbst in Flensburg lebt. Nur so kann man sich vor unzähligen Zeitarbeitsvorschlägen schützen, da beteiligte Unternehmen einen bundesweiten Zugriff auf die Bewerberdaten erhalten. Frei vom Kooperationsvertrag und deren Schnittstelle. Und somit alle.



Kategorien:Arbeitsmarktpolitik, Bundesagentur für Arbeit

Schlagwörter: , , , , ,

%d Bloggern gefällt das: