Bundesprogramm für Zeitarbeit – Alles Nahles, oder was?

 

Ende 2014 kündigte die Bundesregierung ein 5-Punkte-Programm zum Abbau von Langzeitarbeitslosigkeit an. Ein Teil davon ist das Millionen-ESF-Bundesprogramm zur Eingliederung langzeitarbeitsloser Leistungsberechtigter nach dem SGB II auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt, welches helfen soll, Langzeitarbeitslose ab 35 Jahre, ohne (verwertbaren) Berufsabschluss und einer mindestens 2-jährigen Arbeitslosigkeit in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Coaches für eine begleitende Hilfe am Arbeitsplatz ergänzen das Förderprogramm. Für das Programm werden rund 885 Millionen Euro zur Verfügung stehen, wobei rund 470 Millionen Euro aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) kommen. Nahles (Focus Online): „Wir wollen dabei bis 2019 etwa 33.000 Menschen fördern. Das Programm soll im ersten Quartal 2015 anlaufen“. Jobcenter hatten im Zeitraum vom Dezember 2014 bis Mitte Februar 2015 die Möglichkeit sich per Ausschreibung an diesem Verfahren zu beteiligen. Welchen Vorteil bringt dieses Programm? Neben einer eventuellen sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit bei einem Arbeitgeber, ist dieser Nutznießer des Programms. So erhält er über 18 Monate einen Lohnzuschuss, der über die Laufzeit reduziert wird. Bekommt er für die ersten sechs Monate eine Förderung von 75 Prozent, reduziert er sich für weitere neun Monate auf die Hälfte des Arbeitsentgeltes, um dann in den letzten drei Monaten auf ein Viertel zu sinken. Die darauffolgenden sechs Monate Nachbeschäftigungspflicht werden nicht gefördert.

Begleitende Coaches sind Pflicht und sollen maximal 20 Bewerberinnen und Bewerber pro Coach „betreuen“. Ziel dabei ist das „Durchhalten des Arbeitsverhältnisses“. Ohne Coach keinen Lohnkostenzuschuss. Freiwilligkeit vorausgesetzt, werden potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch die Jobcenter „ausgewählt“. Parallel werden Arbeitgeber gesucht, die an solch einem Programm Interesse haben. Eigene Betriebsakquisiteure unterstützen die Suche nach Arbeitgebern und gehören dem Arbeitgeberservice an. Selbstverständlich hat sich auch Jobcenter team.arbeit.hamburg um dieses Programm beworben und einen Zuschlag von 100 Förderungen erhalten. Die Bewerbersuche wird hier über Vorgespräche im Fallmanagement oder auch über Gruppeninformationen erfolgen und geeignete „Kunden“ sind bis Mitte Juli zu kennzeichnen. Werbetechnisch ist das Coaching zu erwähnen, um so einen Anreiz für die zukünftigen Teilnehmer zu schaffen.

Wenn nun allerdings Marktführer der Zeit- und Leiharbeitsunternehmen bereits angesprochen wurden, zeigt es erneut die Fokussierung auf den Niedriglohnsektor. Werden auf der einen Seite so Lohnkosten gesenkt und die Gewinne dieser Branche gestärkt, fehlt auf der anderen Seite der sichtbare Wille Arbeitnehmer in reguläre und insbesondere dauerhafte Arbeitsstellen zu vermitteln. Vielleicht ist der Gedanke, dass das Programm auf zwei Jahre befristet ist und die schnelle Massenabfertigung über die Zeit- und Leiharbeit ein Selbstläufer wird. Zeitgleich hofft Jobcenter t.a.h., dass Arbeitgeber ihr soziales Engagement durch die Außenwirkung des ESF-Logos entdecken und so über den betriebswirtschaftlichen Nutzen Lohndiener einstellen. Ob den kommenden Arbeitnehmern damit für die längere Zukunft wirklich geholfen ist, ist nach Ablauf von zwei Jahren zu bezweifeln. Die Arbeitslosenstatistik wird kurzfristig verbessert, um nach dieser Zeit um diesen Personenkreis wieder anzusteigen. Millionen für das Credo: „Rein in die Zeitarbeit – rein in die Arbeitslosigkeit“. Profiteure sind die Leihfirmen und das Nachsehen haben die, die eigentlich gefördert werden sollen.

 



Kategorien:Arbeitsmarktpolitik, Jobcenter

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