Die Titanic der Bundesagentur für Arbeit

Agentur für Arbeit - Hamburg (IHA)

Agentur für Arbeit – Hamburg (IHA)

Dass die Agenda 2010 in ihrer jetzigen Form desolat ist, stellt insbesondere für die leistungsberechtigten Erwerbslosen keine Neuigkeit dar. Agenda 2010 ein Konstrukt zum Ausbau des subventionierten prekären Arbeitsmarktes, einem Regime in den Jobcentern des Sparens, dem Einschneiden von Persönlichkeitsrechten bei den Erwerbslosen sowie dem übergeordnetem Controlling anhand der jährlichen Zielvereinbarungen. So ist es keine Seltenheit in den regelmäßigen Teambesprechungen der Jobcenter zu hören, dass Bundesziele nicht erreicht oder nur knapp erreicht wurden sind. Aber auch individuelle Ziele der einzelnen Jobcenter sind regelmäßige Themen. Diese lauten unter anderem mindestens einen Vermittlungsgutschein, vier Maßnahmen bei einem Träger, einem Bildungsgutschein oder zwei Arbeitsgelegenheiten pro Monat zu buchen. Kann das Buchen in Trainingsmaßnahmen oder Qualifizierungen durchaus eine positive Resonanz bei den Erwerbslosen hervorrufen und entsprechende Fähigkeiten und Kenntnisse fördern, stellt sich doch die Frage, inwiefern die Individualität des Einzelnen dabei berücksichtigt wird. Die Jobcenter-Mitarbeiter kommen in den Druck in Maßnahmen zu buchen ohne Berücksichtigung der Individualität und Passgenauigkeit der Erwerbslosen. Diese wiederum wundern sich über Zuweisungen, die oftmals für sie persönlich keine Entwicklung bringen. Förderung stellt erst eine tatsächliche Förderung dar, wenn sie im Nachhinein verwertbar ist. Niemals darf sie ein Parken, um die Statistik zu beschönigen, instruieren. So sprach Heinrich Alt, Vorstand der Bundesagentur der Arbeit, im Kreis von Wirtschaftsjunioren von einem „intelligenten Freizeitentzug“, wenn die Haltung der Erwerbslosen in Maßnahmen überprüft werden. Somit verlieren die Maßnahmen den Status der sozialen Dienstleistungsangebote und werden zu Kontrollinstrumenten missbraucht.

Reduzierung der primären Zielsetzungen bei den Ein-Euro-Jobs

Besonders auffällig ist die Entfremdung der Ein-Euro-Jobs. Waren zu Beginn dieser Qualifizierungen, Coaching, Bewerbungstrainings und Praktika ein primärer Bestandteil, sind diese seit dem 1. April 2012 gestrichen. Stattdessen wurden nun parallel sogenannte begleitende Aktivierungs- und Vermittlungsgutscheine (AVGS-MAT) mit rund 5 Stunden pro Woche bei einem Bildungsträger herausgegeben. Eine stille Reduzierung der ehemals primären Zielsetzung von rund 30 Stunden pro Woche auf fünf Stunden. Eine interne Revision, Stand Januar 2013 in den Jobcentern von Hamburg bemängelte die Abgrenzung anderer Instrumente vor den Ein-Euro-Jobs. Die Rüge belief sich dahingehend, dass die Ein-Euro-Jobs wohl nicht immer als letztes Mittel eingesetzt werden und entsprechende Begründungen fehlen. So gelten die Weisungen in die Vermittlung von Arbeitsgelegenheiten für Erwerbslose mit komplexen Vermittlungshemmnissen analog der Profillage. Nicht viel anders sieht es bei anderen Maßnahmen aus. Als Hilfsinstrument steht den Jobcentern der Bildungsgutschein zur Verfügung. Die Erwerbslosen haben die Möglichkeit sich frei einen entsprechenden, passgenauen Träger für eine Qualifizierung zu suchen. Dem steht die Bittstellung der Träger ihre Maßnahmen zu füllen entgegen. Das lässt sich einfach daran erklären, dass zum Teil eingekaufte Maßnahmen aus wirtschaftlicher Sicht der Bundesagentur für Arbeit selbstverständlich besetzt werden müssen. Hier greift das wirtschaftliche Prinzip der Gewinnmaximierung. Nicht anders agiert die freie Wirtschaft und ist an sich nicht verwerfliches. Nun steht diese Zwangsfüllung der Maßnahmen oftmals zur konträren Berufsausbildung, Werdegang oder Studium der Erwerbslosen. Für die Jobcenter kein Widerspruch, da mit der Einführung von Hartz IV die freie Berufs- und Ausbildungswahl aufgehoben wurde. Schließlich ist jede Arbeit zumutbar und einen Berufsschutz nach § 10 Abs. 2 Nr. und 2 SGB II gibt es grundsätzlich nicht. Dem gegenüber steht im Widerspruch die „Entwicklungsperspektive 2020“ und dem Leistungsversprechen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach begegnen sie (1) den Kunden dort, wo sie sind. Weiter heißt es (2) wir unterstützen marktnahe Kunden mit neuen Angeboten und bei (3) heißt es, wir betreuen marktferne Kunden noch intensiver und (4) besagt, dass den Arbeitgebern neue Dienstleistungen angeboten werden. So möchte die Bundesagentur für Arbeit neue Fähigkeiten entwickeln, die finanziellen Ressourcen nutzen und die Bürokratie reduzieren. Neuartige und effiziente IT-Lösungen werden kommen und das Personalmanagement wird vorausschauend gestaltet. Dabei ist das primäre Ziel die möglichst schnelle Beendigung der Arbeitslosigkeit durch Beschäftigung. Die frühzeitige treffsichere Investition in Qualifizierung soll somit zur Beschäftigungsaufnahme führen. Das klingt nachvollziehbar.

Drei Millionen Arbeitslose vs. einer Million offenen Stellen

Nur eines wird seit Jahren vergessen und ignoriert: DEN Arbeitsmarkt gibt nicht gestern, nicht heute und vermutlich auch nicht morgen. Im Interview mit „euronews“ vom 12. Juni 2013 spricht Arbeitsministerin von der Leyen, dass in Deutschland rund eine Million offene Arbeitsplätze unbesetzt seien. Weiterhin erwähnt sie, dass Hartz IV-Empfänger Angebote unterbreitet werden müssen, damit sie arbeiten können und aus dem Hartz IV rauskommen. Angesichts der guten Wirtschaftslage sei dieses zunehmend möglich. Eindeutig verschließt unsere Arbeitsministerin die Augen. Sie selbst spricht von rund einer Million offenen Arbeitsplätzen. Die „beschönigte“ Statistik in den Medien spricht von knapp drei Millionen Arbeitslosen. Rechnen? Fehlanzeige! Selbst die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit weist aktuell rund drei Millionen Bewerber im Verhältnis zu rund 728 000 Stellen aus.

Bild: Jobbörse "arbeitsagentur.de" - 24. Juni 2013

Bild: Jobbörse „arbeitsagentur.de“ – 24. Juni 2013

Der Hauptpersonalrat Einsiedler (BA) stellt richtig fest: „Steuern nach Zahlen ist wie Malen nach Zahlen.“ Ein Boot zu steuern, wie die BA es ist, ist unter den derzeitigen Strukturen fast unmöglich bis unmöglich, solange ein Druck auf die Erwerbslosen ausgeübt wird, dem der derzeitige Arbeitsmarkt und der „Controllingwut“ durch die Bundesagentur für Arbeit entgegensteht. Neue Farben in Form von Transparenz, Auflösung des Machtinstrumentes der Erpressbarkeit durch die Sanktionen und freie Entscheidungen durch die Jobcenter-Mitarbeiter in Bezug auf Wohlwollen und Abhängigkeit des Gehorchens der Erwerbslosen sowie die Aufhebung der Belohnungstaktik durch die Jobcenter müssen her. Ansonsten wird das Schiff der Bundesagentur für Arbeit zur Titanic.

Quellen: euronews; arbeitsagentur;



Kategorien:Arbeitsmarktpolitik, Bundesagentur für Arbeit

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80 replies

  1. Zeitgenossen haufenweise
    Es ist nicht leicht, sie ohne Haß zu schildern,
    und ganz unmöglich geht es ohne Hohn.
    Sie haben Köpfe wie auf Abziehbildern
    und, wo das Herz sein müßte, Telefon.

    Sie wissen ganz genau, daß Kreise rund sind
    und Invalidenbeine nur aus Holz.
    Sie sprechen fließend, und aus diesem Grund sind
    sie Tag und Nacht – auch sonntags – auf sich stolz.

    In ihren Händen wird aus allem Ware.
    In ihrer Seele brennt elektrisch Licht.
    Sie messen auch das Unberechnenbare.
    Was sich nicht zählen läßt, das gibt es nicht!

    Sie haben am Gehirn enorme Schwielen,
    fast als benutzten sie es als Gesäß.
    Sie werden rot, wenn sie mit Kindern spielen,
    die Liebe treiben sie programmgemäß.

    Sie singen nie (nicht einmal im August)
    ein hübsches Weihnachtslied auf offner Straße.
    Sie sind nie froh und haben immer Lust.
    Und denken, wenn sie denken, durch die Nase.

    Sie loben unermüdlich unsre Zeit,
    ganz als erhielten sie von ihr Tantiemen.
    Ihr Intellekt liegt meistens doppelt breit.
    Sie können sich nur noch zum Scheine schämen.

    Sie haben Witz und können ihn nicht halten.
    Sie wissen viel, was sie nicht verstehen.
    Man muß sie sehen, wenn sie Haare spalten!
    Es ist, um an den Wänden hochzugehn.

    Man sollte kleine Löcher in sie schießen!
    Ihr letzter Schrei wär noch ein dernier cri.
    Jedoch, sie haben viel zuviel Komplicen,
    als daß sie sich von uns erschießen ließen.
    Man trift sie nie.

    Erich Kästner

  2. Hallo zusammen,
    ich habe auf gegen-hartz de einen wunderbaren Artikel mit der Überschrift „Offener Brief an die Mitarbeiter der Jobcenter“ vom 26.06.2013 gelesen.
    Sollte man reinschauen. http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/offener-brief-an-die-mitarbeiter-der-jobcenter-9001491.php

    Meinen Kommentar zu diesem offenen Brief habe ich auf meinem Blog geschrieben.
    http://velbertbloggt.blogspot.de/2013/06/aus-dem-internet-ein-lesenswerter.html

    In diesem Sinne…

    Liebe Grüße

  3. Max Uthoff in >Neues aus der Anstalt<, 25.06.2013:

    Ebenfalls treffend für die Zustände im Land hat Pelzig in der gleichen Sendung zum Fall Mollath was zu bieten:

  4. Die Augen von Frau Hannemann wirken zunehmend entgeistert durch den harten Kampf gegen Ihnen unter Ihre Unterstützer, Frau Merkel. Sie lachen nicht mehr. Dafür sind Sie auch mitverantwortlich, Frau Merkel! An A Merkel 18.6

  5. Warum eigentlich arbeiten die Sachbearbeiter der argen Argen so vehement daran, später keine Rente bekommen zu können? Leuchtet das diesen Leuten dort denn nicht ein, dass mit den mickrigen Rentenbeitragszahlungen mittels Ein-Euro-Jobs ein Erhalt der Rente nicht mehr möglich sein wird – und dass sie, die SB letztendlich im Alter selbst ohne Alterssicherung dastehen?

    Offenbar nicht…

    Interessant zu dieser Thematik die Seite Bohrwurm.

    Die Teufelstabelle

    -Rentenkassen-Ausplünderung-

    – 1957 bis 2002 –

    rd. 700 Milliarden Euro

    incl. 300 Mrd. Euro Zinsen

    http://www.bohrwurm.net/

  6. Von wegen eine Millionen freie Jobs.

    Man müsste da erst einmal die ganzen Zeitarbeits-Angebote raussortieren, denn das sind keine Jobs sondern nur Angebote zur modernen und freiwilligen Versklavung der Menschen.

    Dazu kommt das die lieben Leiharbeitsfirmen angeblich zig stellen Frei haben – wenn man sich aber dann auf eine davon bewirbt kommt man lediglich in eine Datenbank um für den nächsten modernen Sklavenhalter der einen benötigt bereits verfügbar zu sein bevor der Job überhaupt exestiert. Das habe ich selbst oft genug erlebt als ich das Spielchen mit der Zeitarbeit noch mitgespielt habe, bei 10 Firmen beworben die laut BA einen Job frei hatten, bei allen 10 gab es aber keinen Job sondern nur ein „Wir melden uns wenn wir sie brauchen“

    Somit werden auch hier wieder nur die Zahlen gefälscht um den Menschen zu suggerieren das der Hartzist faul ist und doch genug Arbeit (zumindest für ein drittel von uns) da wäre wenn man nur arbeiten wollen würde.

    Und als Hartzist einen normalen Job ausserhalb der Sklavenbranche Leiharbeit zu finden ist so gut wie unmöglich da die Politiker uns ja so schön den Stempel „Faul&Dumm“ aufgedrückt haben so da man bei potenziellen Arbeitgebern gar nicht in betracht gezogen wird da ja keiner einen faulen Menschen als Mitarbeiter haben möchte.

    Mt den besten Grüßen aus Nürnberg, Dirk Helmgens, Aktivist gegen Hartz4

  7. Mit der nunmehr zehnjährigen Geschichte der unsäglichen Hartz-IV-Gesetze in Deutschland hat die Vergesellschaftung der politisch-bürokratisch initiierten Stigmatisierung ihren Lauf genommen. So stolz auch alle Bundesregierungen seit Gerhard Schröder die Hartz-Gesetze präsentiert haben, so sehr hat die Industrialisierung der Armut vielerorts Leid geschaffen, Ausgrenzung produziert und die Menschen unter erheblichen Druck gesetzt, der für eine Vielzahl von ihnen weder psychisch noch physisch erträglich ist.
    Inzwischen werden Menschen, die sich wie die Mitarbeiterin des Hamburger Jobcenters, Inge Hannemann, in legitimer, dem demokratischen Meinungsbildungsprinzip entsprechender, Weise gegen dieses staatlich organisierte System der Angst wenden, durch Politiker wie auch Behörden öffentlich an den Pranger gestellt. Politische, aber auch zivilgesellschaftliche Forderungen nach einem Ende dieser Repressionsmaßnahmen gegen „Arbeitsunwillige“, „notorische Faulenzer“ oder „Leistungsverweigerer“ werden inzwischen völlig ignoriert.

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Jobcenter, beenden Sie diese Tragödie durch Ihre Menschlichkeit!

    Greifen Sie aktiv ein, indem sie Ihre Ermessensspielräume nutzen. Sanktionieren Sie nicht weiter, ordnen Sie keine Zwangsumzüge mehr an, die ganze Familien aus ihrem sozialen Umfeld und Kinder von geliebten Freunden wegreißen. Gerade diese Sanktionspolitik ist es, die Menschen an die Grenze ihrer Existenz treibt und eine nicht zu rechtfertigende Spirale der psychischen Gewalt in Gang setzt, welche zuletzt immer häufiger beiderseits in physische Gewalt umschlägt.
    Sie können vieles, was das Leben der Menschen in diesem Sozialsystem erschwert und belastet, durch einfache Instrumente und vor allem mit Menschlichkeit verhindern. Versetzen Sie sich vor solchen Entscheidungen in die Lage der Menschen, denen Sie plötzlich die Grundlage ihrer Existenz entziehen.
    Wie würden Sie empfinden, wenn Sie „auf Befehl“ Ihre Wohnung verlassen, Ihre Kinder umschulen müssten oder Freunde und Nachbarn verlieren würden? Geschweige denn, man würde Ihnen die Miete, das Geld zum Leben oder gar die Krankenkassenmitgliedschaft entziehen? Würden Sie das nicht als Demütigung, Peinigung und als Bedrohung für sich und die Schutzbedürftigen Ihrer Familie verstehen?
    Könnten Sie so noch das notwendige Selbstbewusstsein ausstrahlen, sich zu bewerben und die Kraft und Motivation aufbringen, die Sie für den Job benötigen, der Ihre Familie ernähren soll?
    Hartz IV treibt durch seinen enorm hohen Druck die Menschen nicht nur noch weiter in die Armut und Verschuldung, sondern es führt immer häufiger zu schweren Depressionen, großer Angst und seelischen Hemmschwellen im Umgang mit dem beruflichen und persönlichen Umfeld. Es unterminiert und erodiert – statt zu fördern.

    Nicht zuletzt führt diese Art der, an extreme Bedingungen gebundenen Sozialpolitik bei gleichzeitigem Versagen des Staates in der politischen Verantwortung uns alle in die Irre. Als wären wir selbst schuld an unserer Situation, schieben wir uns gegenseitig die Schuld in die Schuhe, anstatt darauf zurückzugreifen, über was wir alle ganz einfach so verfügen können – Menschlichkeit und Empathie, dort wo Politik und Ämter immer mehr versagen.
    Sie haben die faktische Verwaltungsmacht über die soziale Zufriedenheit großer Bevölkerungsteile – und damit auch über Ihre eigene Zufriedenheit, Menschen helfen zu können statt ihnen zu schaden.
    Nur Menschlichkeit allein kann dazu führen, unser aller Selbstbewusstsein zu stärken und wieder an eine Zukunft zu denken, in der wir nicht unter sozialem Druck unsere eigene Freiheit und individuelle Souveränität verlieren.

    Nehmen Sie sich die Freiheit und den Mut, Hartz IV als das zu verstehen und anzuwenden, was es eigentlich sein soll – eine soziale Gesetzgebung, die jedem Mitbürger in der vorübergehenden oder anhaltenden Not als Schutz und Hilfe zur Verfügung steht.

    Lutz Hausstein
    Wirtschaftswissenschaftler und Publizist

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/127261/mitarbeiter-der-jobcenter-zielen-sie-nicht-auf-ihre-mitmenschen

  8. Hier ein Brief von Eberhard Einsiedler (Hauptpersonalrat der BA:)
    http://www.harald-thome.de/media/files/Ist-BA-noch-steuerf-hig_2009_06_05.opd.pdf

  9. Max Uthoff am 25.06.2013 Im ZDF -Neues aus der Anstalt-

    : „Der Feind der Demokratie, das ist der aufgeklärte Demokrat, und der wird überall aufgespürt. Inge Hannemann, eine couragierte Mitarbeiterin einer Hamburger Agentur für Arbeit warnte vor kurzem öffentlich vor den verheerenden Folgen von Hartz IV wie Depressionen oder erhöhte Selbstmordgefahr und der Staat hat sofort darauf reagiert und Frau Hannemann entlassen. Das leuchtet ein denn wenn Ihnen ihr Hausmeister sagt, dass Sie einen Wasserrohrbruch im Keller haben, ist es wohl am Vernünftigsten, den Hausmeister zu erschießen.“

    http://anstalt.zdf.de/#

  10. Zitat: „Ansonsten wird das Schiff der Bundesagentur für Arbeit zur Titanic.“

    Die BA ist doch seit Jahrzehnten auf den Eisberg aufgelaufen, besonders im Osten!

  11. Die Ghostwriter der Hartz IV Kommission

    Prof. Dr. jur. Helga Spindler: Die Ghostwriter der Hartz Kommission

    Speziell Hartz IV und die verbliebene Rest-Arbeitslosenversicherung und Rest- Sozialhilfe haben wir nicht in erster Linie der Hartz-Kommission oder gar dem Namensgeber Peter Hartz persönlich zu verdanken, sondern , einer geheimen Staatsaktion, einer recht undemokratischen, handstreichartigen Hintergrundarbeit aus dem Bundesarbeitsministerium (BMA) und dem Bundeskanzleramt, einverständlichkoordiniert und gelenkt durch die Bertelsmann Stiftung.

    Wenn heute an die Übergabe des Berichts: „Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt“ im Französischen Dom in Berlin erinnert wird, dann denken viele spontan an Hartz IV, das neue Grundsicherungssystem, in das Millionen Menschen mit Partnern und Kindern ohne Rücksicht auf Qualifikation und Berufserfahrung hineingepresst werden und das Hunderttausende in unterwertige Arbeitsplätze gezwungen hat, ohne ihnen sozialen Schutz zu bieten. In der Tat hat die Kommission einige Dämme zur Regulierung am deutschen Arbeitsmarkt eingerissen und eine Sozialbehörde zum datenfressenden Controlling- und ITMonster pervertiert“ (1) und sie hat mit Modul 6: „Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zusammenführen“ und Modul 3 mit dem etwas zynischen Titel : Neue Zumutbarkeit und Freiwilligkeit“ die Stichworte für Hartz IV gegeben, aber eben nur die Stichworte. Auch hat sie diese mit teilweise anderen Vorstellungen über die Umsetzung verbunden, was letztlich die Öffentlichkeit besonders raffiniert getäuscht hat in Bezug darauf, was mit Hartz IV und nicht zu vergessen auch mit der deutlichen Verschlechterung der Arbeitslosenversicherung in Hartz III auf sie zukommen sollte.

    Schon immer war auffällig, dass diejenigen, die die damaligen Vorgänge erforschen, weniger auf die Analyse von öffentlich zugänglichen Dokumenten zurückgreifen konnten, sondern auf die Auswertung von Insider- Informationen, meist anonymisierte Interviews mit Akteuren der damaligen Zeit, angewiesen waren. Diese Untersuchungen sind inzwischen ergänzt durch die Arbeit von Anke Hassel und Christof Schiller, (2) die wiederum Insider interviewt haben, die mit zunehmendem zeitlichen Abstand auch immer unbefangener geplaudert haben. Sie absolvierte 2003/2004 einen Forschungsaufenthalt in der Leitungs- und Planungsabteilung des Ministeriums für Wirtschaft und Arbeit von Minister Clement, wo sie eigentlich an einer Analyse der Grenzen deutscher Reformkapazität arbeiten wollte. Ihre Beobachtungen zur Entstehung von Hartz IV haben sie jedoch von der „Reformfähigkeit“ des deutschen Sozialstaatsund insbesondere der Ministerialbürokratie überzeugt. Sie betrachtet die Vorgänge allerdings weniger kritisch aus demokratischer, rechtsstaatlicher oder gar sozialer Sicht, sondern mit einer gewissen Faszination für das strategische Arbeiten der Bürokratie, wo sie einen neuen Typ politischer Unternehmer erkennt, also aus einer Elitenperspektive.

    Jetzt ist sie Professorin für Public Policy an der privaten Hertie School of Governance in Berlin und dort Kollegin von Jobst Fiedler, der 2004 zum Professor für Public and Financial Management ernannt wurde und als Mitglied der Hartz- Kommission noch in Diensten der Unternehmensberatung Roland Berger stand.

    Aus ihren Informationen ergibt sich kurz gesagt: Speziell Hartz IV und die verbliebene Rest-Arbeitslosenversicherung und Rest- Sozialhilfe haben wir nicht in erster Linie der Hartz Kommission oder gar dem Namensgeber Peter Hartz persönlich zu verdanken, sondern , einer geheimen Staatsaktion, einer recht undemokratischen, handstreichartigen Hintergrundarbeit aus dem Bundesarbeitsministerium (BMA) und dem Bundeskanzleramt, einverständlich koordiniert und gelenkt durch die Bertelsmann Stiftung.

    Hassel schreibt in dem Kapitel „Stunde der Reformer“, dass es Anfang 2002 bereits „einen Kern verantwortlicher Politiker und Beamter“ gegeben habe, „die die Probleme am Arbeitsmarkt in ähnlicher Weise interpretierten und den Vermittlungsskandal nutzen wollten, um ihre Reformvorschläge durchzusetzen“. „Tragende Akteure“ dieses Prozesses seien im Bundeskanzleramt Frank Walter Steinmeier und im BMA Staatssekretär Gerd Andres gewesen. Walter Riester erinnert sich nach dem Vermittlungsskandal an ein Gespräch mit Steinmeier: „Walter , wir müssen das eigentlich mit einem massiven eigenen Schlag lösen. Wir stehen jetzt vor der Bundestagswahl .Und seine [ Steinmeiers ] erste Vorstellung war, McKinsey einzusetzen.“ Vermutlich dachte Steinmeier schon damals an den befreundeten McKinsey Berater Markus Klimmer, verantwortlich für den Bereich „Public Sector“ und Promoter für technologiedominierte Verwaltung und Privatisierung, den er 2008 für sein Wahlkampfteam engagierte und der bis heute IZA Policy Fellow, Mitglied im Managerkreis der Ebert Stiftung und in der SPD und ihrem Wirtschaftsrat ist und neuerdings im gleichen Feld für das Beratungsunternehmen Accenture arbeitet.

    Steinmeier teilte diese Vorliebe für die „Meckis“ mit Peter Hartz, der aber wegen gemeinsamer Projekte bei VW den McKinsey- Direktor Peter Kraljic für seine Kommission vorzog. Später stießen Florian Gerster (heute ebenfalls Mitglied im Managerkreis der Ebert Stiftung und in der SPD, IZA Policy Fellow, Präsident Arbeitgeberverband Briefdienste, Botschafter INSM und Unternehmensberater ; damals kurzzeitig Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit) und Wolfgang Clement (heute konsequent bei der FDP) zu dieser Gruppe.

    Gerd Andres nutzte die Stunde unter dem noch unerfahren Minister Riester, der sich zudem mehr für die Alterssicherung interessierte, um die zuständige Abteilung mit jungen und einschlägig ausgewählten Mitarbeitern wie Abteilungsleiter Bernd Buchheit aus NRW und weiteren Referatsleitern neu zu besetzen. Buchheit sorgte dafür, dass die Zuständigkeit für Sozialhilfe vom Gesundheitsministerium schnell ins BMA verlegt wurde. Das alles ist für sich genommen noch nicht anstößig. Nur wurde die weitere Arbeit nach außen und von demokratischer Auseinandersetzung und Kontrolle abgeschottet.

    Quellen:

    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/die-ghostwriter-der-hartz-iv-kommission-9001438.php

    und hier als PDF Dokument:

    http://www.uni-due.de/edit/spindler/ghostwriter_spindler_2012.pdf

    Wacht auf!

    Nette Grüße aus Celle

    Das Team vom BSG – Celle 2012

  12. Die Vorstellungen des Herrn Alt und die Realität!
    http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-neue-projekte-zur-reintegration-9001486.php
    Mich würde mal interessieren wo diese Menschen Alt ,Weise usw. leben
    Ich habe eher den Eindruck das die Massenverdummung volle Absicht ist.
    Die Frage ist nicht-wie kann Hartz IV Betroffenen geholfen werden, sondern wie werden wir sie los.
    Hartz IV Betroffene sind Kostenfaktoren, diese Kosten kann man durch Sanktionen auf 0 reduzieren nur sind wir die Hartz IV Betroffenen damit nicht los.
    Deshalb müssen andere Möglichkeiten geschaffen werden, egal welche.

    • Tja, für so etwas werden Steuergelder verschwendet nur weil die BfA Angst
      und diese Situation selbst heraufbeschworen hat.

      In diesem Zusammenhang sollte sich jeder Steuerzahler, zu denen natürlich auch die ALG II-Empfänger gehören folgendes deutlich machen:

      2012 wurden 552 Mrd. an Steuern eingenommen.
      Die Kosten für ALG II (inkl. Kosten für Unterkunft und Heizung)
      betrugen 24,6 Mrd., was einer Quote von nur 4,4 % entspricht!
      Diese Gelder fließen fast vollständig und sofort in die Wirtschaft
      und führen damit natürlich auch zu einem Steuerrückfluss von zig
      Millionen (Mehrwert- und Verbrauchssteuern), d.h. netto liegen die
      tatsächlichen Kosten sogar wesentlich niedriger.

      Zum Vergleich:

      Der Verteidigungsetat in Höhe von 32 Mrd. entspricht 5,8%!
      (und was damit “geleistet” wird, wie z.B. „Eurohawk“, kann jeder selbst beurteilen!)

      Hinzu kommen aber auch die enormen Verwaltungskosten und es
      müssen natürlich auch die zusätzlichen Kosten betrachtet werden,
      die erst durch das SGB II entstanden sind und vermeidbar gewesen
      wären, wie z.B. die steigenden Kosten der Sozialgerichte,
      Erhöhung der Gesundheitskosten (Depressionen, etc.),
      die zusätzl. Industrie der (oft sinnlosen) Maßnahmenträger,
      Subventionen (bei „Aufstockern“, “Eingliederungszuschüsse..) ,etc.,
      etc.
      Jedoch können wir hier keine Aufklärung und konkrete Aufrechnung
      erwarten, denn es steht jetzt schon fest, dass diese Kosten in keinem
      Verhältnis zum (vermeintlichen) Nutzen stehen.

  13. Hallo Allerseits,

    das Ausschreiben von nichtexistenten Stellen ist aber schon uralt. Bereits Mitte der 1980er haben Konzerne nichtexistente Stellen ausgeschrieben um Prosperität vorzugaucken. Potentielle Käufer oder Geldgeber sollten damit getäuscht werden. Besonders in Erinnerung ist mit damals ein Bildröhrenwerk von Nokia, welches gewinnoptimiert verkauft werden sollte. Eine mir sehr gut bekannte Sachbearbeiterin in diesem Werk hat damals am Fliessband gefälschte Stellenausschreibungen abgesetzt. Das Werk ging damals an Sony. Diese Anzeigen erwecken den Eindruck, dass in den ausgeschriebenen Branchen Leute gesucht werden, siehe Posting von BSG-Zelle 2012.

    Ich war nach 2000 mehrfach selber Mitverfasser von Anzeigen, bei denen teilweise schon klar war, dass so ziemlich alle Stellen in den Bereichen wegfallen werden. In diesem Zeitraum hat ein guter Bekannter und Werbetexter fließbandmäßig Dummy-Anzeigen für eine ZA/PV verfasst. Ein ehemaliger Nachbar hat solche Anzeigen für eine der größten ZA immer wieder und alle paar Wochen verfassen dürfen. In der Krise 2008/2009 wurde aber ab Anfang 2009 Funkstille verordnet, denn man wolle sich nicht blamieren.

    Die großen Zeitungsverlage werben sogar offen dafür mit solchen Anzeigen die Firmen in einem guten Licht darstehen zu lassen. Die SZ nennt das in der Preisliste iirc HR-Image-Anzeigen. Das war aber schon vor 30 Jahren so, so hat es mir damals ein Drucker schon erzählt. Das klang für mich zwar etwas sinnlos und sogar kontraproduktiv, ist aber nach den üblichen Dogmen der BWLer eine nicht zu hinterfragende Verhaltensmaßregel, so hat es mir dann mal ein BWLer beigebracht.

  14. Ich beschäftige mich gerade sehr intensiv mit einer Beschwerde/Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Formulare, etc. habe ich bereits.
    Auch wenn normalerweise erst alle Voraussetzung der Erschöpfung des innerstaatlichen Rechtswegs
    erfüllt sein müssen, glaube ich, dass man eine gute Begründung dafür findet, dass dies nicht möglich ist, da sich das Bundesverfassungsgericht sich nur mit einzelnen Aspekten des SGB II, wie jetzt erneut dem Regelsatz, beschäftigt.
    Das gesamte SGB II enthält so viele Bereiche, die den europäischen Menschenrechtskonventionen widersprechen, das eine Beschwerde erfolgreich sein müsste.
    Ich werde es jedenfalls versuchen!

    • Versuch macht klug und sollte nicht schaden. Ich beschäftige mich seit einiger Zeit mit den europäischen Gerichten. Ist leider genau wie beim BVerfG. Lapidares Abweisen von 97 bis 99,9% der Fälle.

      Einzelne Fälle die angenommen UND auch noch zugunsten des Klägers – gegen den Staat oder seine Vasallen – ausgehen, werden dermaßen an die große Glocke gehängt, daß die europäische Bevölkerung meinen muß da braucht jeder sein Recht nur abholen…

      Es sind auch schon einige Klagen gegen das SGB II und im Netz zu finden und einige wurden auch schon abgewiesen.
      Viel Erfolge wünsche

      Der Souverän

      • @Der Souverän,

        auch wenn ich blaue Augen habe, bin ich nicht blauäugig.
        Natürlich bin ich mir den Tatsachen bewußt, aber letztendlich kostet das Ganze nur etwas,
        ohnehin schlecht bezahlte Zeit und Porto.
        Und wenn ich es nicht zumindest versuchen würde, hätte ich schon verloren.
        Vielleicht kann ich damit der Eisberg sein, der die Titanic zum sinken brachte 😉

      • Habe heute meine Beschwerde an den Kanzler des Europäischen Gerichtshofs
        für Menschenrechte
        Europarat
        F–67075 STRASBOURG CEDEX
        gesandt.

        Bin mal gespannt, was dabei herauskommt!

  15. Anmerkung eines Mitarbeiters der BA: Jetzt bin ich schon zum zweiten Mal innerhalb einer Woche peinlich berührt ob der dramatisch schlechten Öffentlichkeitsarbeit meines Arbeitgebers. Zunächst die haltlosen Beschuldigungen gegenüber Frau Hannemann, bei denen man sich fragt, ob die Presseabteilung der BA ihren Aggressionsmechanismus nicht mehr unter Kontrolle hat und dann die etwas schwachbrüstige Stellungnahme zum aktuellen Bericht des Rechnungshofes.
    Folgendes lässt sich feststellen: Das Prinzip des Führens über Ziele kann nicht 1:1 aus der betriebswirtschaftlichen Theorie auf die Arbeit einer Bundesbehörde übertragen werden, insbesondere Zielvorgaben für Integrationen oder die Anzahl von Bedarfsgemeinschaften im Leistungsbezug eines Jobcenters haben eher mit Realitätsverweigerung denn mit folgerichtigem Handeln zu tun. Die teilweise unerreichbaren Zielformulierungen, die sich ausschließlich an Vorjahreszahlen orientieren ohne die relevanten regionalen und überregionalen Marktgegebenheiten und Trends in die Betrachtung mit einfließen zu lassen, zwingen die Einrichtungen vor Ort nicht selten dazu, ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen, um nur ja nicht im Fokus der jeweiligen Regionaldirektionen zu stehen und sich für Zielverfehlungen rechtfertigen zu müssen. Wenn gar nichts hilft flüchtet man sich in Aktionismus, da werden Sonderteams gegründet, die tatsächlich eine paradiesische Kundenanzahl pro Mitarbeiter zu betreuen haben (100 – 170). Wohlgemerkt, diese Kunden gehören dann alle zur Gruppe der „integrationsnahen Kunden“, das heißt man prognostiziert, dass diese aufgrund fehlender oder nur geringfügiger Vermittlungshemmnisse innerhalb der kommenden 12 Monate problemlos integriert werden können. Die Schattenseite: der restliche Kundenstamm mit teilweise multiplen Problemlagen und diversen Handlungsbedarfen wird auf Mitarbeiter verteilt, die dann pro Kopf teilweise bis zu 700 Kunden zu betreuen haben, das heißt, Langzeitbezieher in schwierigen Lebenssituationen werden ganz bewusst abgeschoben. Sind sie nicht in angemessener Zeit auf den 1. Arbeitsmarkt unterzubringen, stören sie auch nur bei der Zielerreichung. Die Mitarbeiter verbringen aufgrund der Controllingfixierung ihres Arbeitgebers mehr Zeit damit, Exceltabellen auszufüllen, Kunden fragwürdigen Maßnahmen zuzuführen oder inhaltsleere Eingliederungsvereinbarungen abzuschließen, als sich den individuellen Kundenanliegen intensiv widmen zu können.
    Bislang hat sich mir die BA nicht als eine „lernende Organisation“ vorgestellt, wenn man daraus zu schlussfolgern hat, dass sie die Rahmenbedingungen für die Vermittlungsarbeit ihrer Beschäftigten verbessert und an die gesellschaftlichen Erfordernisse anpasst. Statt auf das Wissen und die Erfahrungen ihrer Belegschaft zurückzugreifen, kauft die BA Beratungsleistungen bei externen Agenturen für Millionenbeträge ein, um nicht selten völlig an den eigentlichen Notwendigkeiten vorbei „Zukunftsprogramme“ zu etablieren, deren Segnungen wie stets auf sich warten lassen, in teuren Hochglanzbroschüren allerdings als modern und wegweisend, nachhaltig und intelligent dargestellt werden. Auch diese werden selbstverständlich vom Controlling begleitet und – oh Wunder – stellen sich nach statistischer Auswertung beispielsweise nach Befragung eines Testpanels selbstverständlich als Erfolgsmodell dar…
    Der Prüfbericht des Rechnungshofes deckt sich zu 100% mit meinen langjährigen Erfahrungen in verschiedenen Jobcentern! Leider, so meine resignierende Prognose, wird sich das System erst dann verändern, wenn der solidargemeinschaftsverwerfende Geist der Agenda 2010 aus den Köpfen der Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft verschwindet. Darüber hinaus kann man der BA-Geschäftsführung nur wünschen, sie möge endlich aus ihrem lächerlichen (geradezu mitleiderweckenden) Traum, einen modernen Dienstleistungskonzern für den Arbeitsmarkt zu führen, aufwachen, und ihr Selbstverständnis wieder mit der Realität abgleichen. Fundament ihres gesellschaftlichen Auftrages sind zunächst die Sozialgesetzbücher…

    aus … http://www.nachdenkseiten.de/?p=17745#h07

    • Dazu passt meiner Ansicht nach auch dies:
      http://www.tagesschau.de/inland/lobbycontrol102.html

      Schließlich geht es auch bei der BA um Millionenbeträge.

    • Zitat:“Langzeitbezieher in schwierigen Lebenssituationen werden ganz bewusst abgeschoben. Sind sie nicht in angemessener Zeit auf den 1. Arbeitsmarkt unterzubringen,“
      —————————–
      Genau damit habe ich seit sechs Jahren zu kämpfen. Auch ich wurde SOFORT abgeschoben.

      Ursache: Lebenskrise, aber erlernter Beruf
      Hilfe: Integration auf den 1.Arbeitsmarkt
      Erfolg: Keiner
      Ergebnis: Zusatzjob 36 Monate.

      Jetzt da es ja auch offiziell „Bestätigt“ wurde, würde es hier Maßnahmen geben mit denen man nachträglich dagegen vorgehen kann? Immerhin wurde meine Situation damals schamlos zum Zwecke schöner Zahlen ausgenutzt. Ich lies mich leider sehr lange Jahre von denen leiten, mittlerweile total im Abseits. Wö damals ein Bildungsgutschein geholfen hätte, müsste es heute einen neue Ausbildung sein….echt krass. Leistungsgesellschaft…pah…

  16. „Nicht viel anders sieht es bei anderen Maßnahmen aus. Als Hilfsinstrument steht den Jobcentern der Bildungsgutschein zur Verfügung. Die Erwerbslosen haben die Möglichkeit sich frei einen entsprechenden, passgenauen Träger für eine Qualifizierung zu suchen.“ (Zitat aus dem Absatz Reduzierung der primären Zielsetzungen bei den Ein-Euro-Jobs)

    Ich habe es EIN MAL, ein einziges Mal gewagt, bei meiner früheren BA in Berlin wegen eines Bildungsgutscheins nachzufragen. Der Grund war, dass ich meinen beruflichen Chance mit dieser Maßnahme weiter verbessern wollte. Diese wurde mir von der BA mit der Begründung verweigert, dass es in meinem Beruf KEINE Weiterbildungsmöglichkeit gäbe. Ich könnte aber gerne an einem Computerkurs (Basiskenntnisse Office) teilnehmen. Soviel zum Thema „Hilfsinstrument Bildungsgutschein“ – das ist die blanke Veralberung der Arbeitslosen!

    Und auch die Vermittlungsgutscheine kann man eigentlich getrost wegwerfen: die gelten NUR für Zeitarbeitsfirmen, deren Löhne zumeist im Niedriglohnsektor angesiedelt sind.

    Ich frage mich nur, wen die Bundesanstalt für Arbeit mit solchen Schönfärbereien eigentlich noch täuschen will, wenn die Wirklichkeit erschreckend anders aussieht. Offenbar ist Realitätsverweigerung gerade bei den Chefetagen hochgradig ansteckend!

  17. Etwas OT: Der Wikipedia-Artikel zu Inge Hannemann ist gelöscht worden:

    http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Inge_Hannemann&action=edit&redlink=1

    Begründung des verantwortlichen Administrators:

    „… Im Endeffekt komme ich hier zu dem Schluss, dass es sich eindeutig um eine Persönlichkeit kurzzeitigen Medieninteresses handelt, wie wir sie jede Woche erleben: Bankmitarbeiter, die auf Tastaturen einschlafen und ähnliches. …“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:Löschkandidaten/18._Juni_2013#Inge_Hannemann_.28gel.C3.B6scht.29

    Aber immerhin: Wie man der persönlichen Seite des Admins entnehmen kann, hat er freien Eintritt zu allen Spielen der deutschen Profiligen sowie des DFB-Pokals:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Benutzer:Hephaion

    Das ist doch mal was.

    • Der Löschadmin von Wikipedia lügt.

      „Die vorgebrachte Medienpräsenz ist einigermaßen dünn, stern.tv als einziges namhaftes Medium nicht einmal in gedruckter Form; ansonsten ausschließlich regionale Aufmerksamkeit (NDR usw.)“

      Ich habe selbst mehrere Beiträge mit den Beweisen für die Medienpräsenz von I.H. bei Wiki eingestellt.
      Sie wurden gelöscht! Unter anderem hatte ich auch klargestellt und bewiesen, daß die PM der BA eben von der BA stammt. In der Wikilöschdiskussion wurde behauptet, der PM (Pressemitteilung) käme aus nur! aus dem Jobcenter Hamburg. Dieser Beweis wurde ebenfalls gelöscht. Außerdem hatte ich auf diverse große Printmedien die I.H. thematisierten und auch RTL TV hingewiesen.

      Dieser Löschadmin lügt! Die Löschung ist eindeutig politisch und/oder ideologisch motiviert.

      Der Souverän

      • Wir befinden uns im Neoliberalismus – also, von dem her … nicht aufregen 🙂

      • Auch dieser Beutrag wurde soeben gelöscht. Habe ihn direkt wieder eingestellt – mal schauen wie es weiter geht. 🙂

        Ich habe hier mehrfach die Medienpräsenz der Inge Hannemann dokumentiert. Meine Beiträge wurden gelöscht. Inge Hannemann , war z.B. auch beit RTL in der Morgensendung 6 – 9 Uhr. Ferner ist glatt gelogen das I.H. nicht in den Printmedien thematisiert wurde. Bild berichtete. Der Spiegel brachte am 22.04.2013 einen Bericht. Gibt man bei google Inge Hannemann ein, kommen 195.000 Beiträge. Hannemann ist millionen Menschen in D. ein Begriff. Hier wurde behauptet die PM käme nur aus einem Jobcenter in Hamburg. Ich habe hier bewiesen das die PM direkt aus der BA kommt – siehe HP der BA. Auch dieser Beitrag wurde gelöscht. Die Löschung ist a.m.S. eindeutig politisch und/oder ideologisch motiviert

        Der Souverän

        • Auch ich habe natürlich bei der Pressestelle der BA angerufen, um nachzufragen wer die PM verfasst hat 😊. Daraufhin wurde mir gesagt, die kam von Oben und die Pressestelle hatte nur die Aufgabe zur Verteilung. Die Dame war peinlich berührt und hat sich fast entschuldigt. Sie tat mir wirklich leid.

      • Man muss aber zugeben, dass der Antragsteller sich wirklich sehr darum bemüht hat, Recht zu bekommen. Was man ja auch erwarten kann, von einem Rechtsreferendar.

        Der erste gewonnene Prozess, sozusagen. Chapeau. Das lässt auf eine strahlende Zukunft blicken. Vor allem in den Sozialgerichten werden immer gute Haarspalter gebraucht.

        Dem Admin könnte man vielleicht die gelegentliche Beschäftigung mit gesellschaftspolitischen Themen (nein, nicht die INSM-Broschüren) ans Herz legen, um seine Befähigung zur Einschätzung von Relevanz zu schärfen.

        Die deutsche wikipedia als relevantes Nachschlagewerk, hat sich mit diesem Possenspiel vorerst jedenfalls keinen Gefallen getan.

        Aber das lässt sich in Zukunft ja noch nachholen. 🙂

  18. Wie kommt die Bundesagentur für Arbeit zu den gemeldeten Stellen?

    Geht die BA zu den Arbeitgebern oder fragt sie telefonisch nach? Schaut die BA auf ihre Jobbörse und holt sich dort ihre Zahl der gemeldeten Stellen?
    Mit ersteren hätte ich schon ein großes Problem. Aber bei der Variante 2 könnte ich sogar nachweisen, dass die BA naiv oder bewusst mit Zahlen jongliert, die nicht stimmen können.
    Von einer Leserin die nicht genannt werden möchte.

    Seit 8 Jahren arbeite ich bei diversen Bildungsträgern, natürlich immer befristet, und versuche arbeitslosen Menschen zu helfen, eine sozialversicherungspflichtige Arbeit zu finden. Genau so lange habe ich mich auch gewundert, dass „meine“ Teilnehmer, die sich bei privaten Arbeitsvermittlern (Bewerbung über Vermittlungsgutschein) beworben haben, meist keinen Erfolg hatten, obwohl durch die Einlösung des Vermittlungsgutscheins, diese Agenturen ja leben. Was mich weiterhin immer gewundert hat, ist, dass mit allen Teilnehmern ein Vermittlungsvertrag abgeschlossen wurde. Das war den Firmen immer sehr wichtig. Sobald der Vertrag aber unterschrieben war, hörten die Teilnehmer aber meist nie wieder etwas von den Personalvermittlern. Gibt es hier einen Bonus für die privaten Arbeitsvermittler von der BA? (denn die Arbeitslosen fallen mit ihrer Unterschrift ja aus der Statistik). Stecken hinter den Jobangeboten der privaten Arbeitsvermittler überhaupt Arbeitsplätze?

    Aus meinem persönlichen Erleben konnte ich mir jedenfalls teilweise Antworten auf meine aufgekommenen Fragen geben.

    Eine private Personalserviceagentur in meiner Heimatstadt … nahm mit mir Kontakt auf, um mich zur Mitarbeit in ihrem Unternehmen abzuwerben. Da ich mal wieder arbeitslos wurde, ging ich darauf ein, erste Gespräche mit dieser Firma zu führen und dort eine 14-tägige Trainingsmaßnahme durchzuführen, um zu testen, ob diese Arbeit überhaupt etwas für mich ist.

    Nach einem Tag Arbeit dort wusste ich, dass meine Vermutung, hinter den Jobangeboten bei privaten Arbeitsvermitteln auf der Arbeitsagenturseite stünden fast nur Scheinstellen, stimmt.

    Hierzu muss man wissen, dass die Stellenangebote nicht durch die Arbeitsagentur in das Internet gesetzt werden, sondern die Arbeitgeber, Zeitarbeitsfirmen und privaten Arbeitsvermittler diese Stellen selbst ins Netz stellen oder wieder herausnehmen. Dieses läuft über ein Passwort und ein Kennwort. An diesem Tag habe ich selbst, auf Verlangen meiner Vorgesetzten, zwei Stellenangebote ins Netz gestellt, hinter denen kein wirklicher Job gesteckt hat. Den auszuschreibenden Text sollte ich von anderen ausgeschrieben Stellen abgewandelt übernehmen. Selbst wenn mal zufälligerweise ein tatsächlicher Job auf der Arbeitsagenturseite zu finden ist, steht er mindestens 10-mal auf dieser Internetseite, weil die privaten Personalvermittler voneinander abschreiben. Von den 20 ausgeschriebenen Stellen dieser Personalserviceagentur waren nur 10% wirklich mit Jobs hinterlegt, natürlich nur im Niedriglohnbereich. Auf meine Nachfrage bei meinen Vorgesetzten, warum sie die Stellen denn dann ausgeschrieben haben, kam als Antwort, sie hätten gehört, dass in den ausgeschriebenen Branchen Leute gesucht werden.

    Sie wollten erst mal die Daten der Arbeitslosen sammeln und dann bei den Arbeitgebern nachfragen, ob sie Arbeitskräfte suchten. Ich vermute, dass andere private Personalvermittlungsfirmen ähnlich vorgehen. Das erklärt zumindest, warum ich nie erlebt habe, dass „meine“ arbeitslosen Teilnehmer einen Job über private Vermittlung gefunden haben. Das Arbeitsamt kontrolliert nicht, welche Arbeitgeber hinter den ausgeschriebenen Stellen stehen.

    Also, woher weiß die BA wie viele Jobbewerber tatsächlich gesucht werden? Antwort: Sie kann es gar nicht wissen, weil sie keine zentrale Erfassungsstelle hat. Wenn ich jetzt regierungsnah wäre, könnte ich die Arbeitsagenturseite so manipulieren, indem ich 100 oder mehr fiktive Stellen einfach auf diese Seite platziere, da ich ja das Passwort und das Kennwort der betreffenden Personalagentur kenne. Kein Arbeitsamt würde nachfragen, ob es diese Stellen wirklich gibt. Nur leider wird durch das Wirtschaftsministerium genau mit dieser Zahl Propaganda betrieben. Was ich an diesen einen Tag nicht herausgefunden habe, das ist, welchen Nutzen die Personalvermittlungsfirma eigentlich davon hat, außer dass sie massiv persönliche Daten von den Arbeitslosen sammelt.

    Ich habe das Jobangebot bei dieser Firma natürlich nicht angenommen, weil ich für diese massive Irreführung von Arbeitslosen nicht mitverantwortlich sein wollte.

    Quelle: http://www.nachdenkseiten.de/?p=10008

    Nette Grüße vom Team

    BSG – Celle 2012

    • Als Bewerber auf einen Vermittlungsvorschlag der Arbeitsagentur bei einer Zeitarbeitsfirma habe ich zu dem Vermittlungsvorschlag im Vorstellungsgespräch von der zuständigen Mitarbeiterin auf Nachfrage erfahren, dass nicht, wie in der Stellenausschreibung angegeben, zwei Stellen zu besetzen waren, sondern es sich bei den angegebenen zwei Stellen tatsächlich um nur um eine einzige Vollzeitstelle handelte. Die Angabe zwei, so die Mitarbeiterin des Zeitarbeitsunternehmens, würde sich auf zwei halbe Stellen beziehen, es sei aber insgesamt nur eine Vollzeitstelle zu besetzen.

      Auch so kann man die Zahl der angeblich offenen Stellen in der Jobbörse der BA künstlich in die Höhe treiben.

    • „Wie kommt die Bundesagentur für Arbeit zu den gemeldeten Stellen?“

      Schnöde Interpolation.
      Da es für die Arbeytsleistungsnehmer leider keine gesetzliche Pflicht gibt, offene Stellen zu melden (geschweige denn, diese stets zu aktualisieren), kann die BA nur aus den in ihrem eigenen System eingepflegten Daten versuchen, Rückschlüsse auf die tatsächlich vorhandenen offenen Stellen zu ziehen.

      Bestenfalls wird dazu stichprobenartig eine gewisse Anzahl von Angeboten untersucht, insbesondere hinsichtlich der realen Verfügbarkeit und eventueller Mehrfachnennungen durch Personaldienstleister etc., so daß man wenigstens auf Basis einer halbwegs repräsentativen Datenlage herumspekuliert.

      De facto bleibt es aber immer Spekulation, solange der reale Bedarf nicht erfaßt wird – und da scheint es ja eigenartigerweise kein „Interesse der Allgemeinheit“ zu geben, während mit exact diesem Argument die Informations-, Entscheidungs- und Gewissensfreiheit der Leistungsbezieher immer weiter eingeschränkt wird.

    • Ob die Zeitarbeitsfirmen sogar nur für die Unterschrift, dass sie einen vermitteln wollen, bereits eine Bonuszahlung kriegen, würde mich auch interessieren. Mir ist das nämlich auch passiert. Ein Call-Center hatte mich abgelehnt. Dann meldete sich aber ein Zeitarbeitsunternehmen und ich durfte doch zu diesem Call-Center und einmal zuhören. Es sollten dort, da angeblich viel Arbeit da wäre, mehrere Leute kommen. Davon kamen lediglich zwei. Eine davon war ich. Es wurde uns gesagt, dass viele Studenten oft sehr unzuverlässig wären. Ich bin eine alte Frau, habe schon im Call-Center gearbeitet, auch wenn das einige Jahre her ist, kann gut mit dem PC umgehen und habe alles verstanden, was die Kollegin gemacht hat, der ich bei der Arbeit zuschauen und zuhören durfte. Ich fand das nicht schwer, habe das auch gesagt und zusätzlich erwähnt, dass ich meine Arbeitszeit nicht mit Vorlesungszeiten koordinieren müsste, keine kleinen Kinder mehr hätte, denn mein „Baby“ würde auch bereits studieren, ich könnte deshalb ganz flexibel sein und kommen, wenn ich gebraucht würde. Ich hörte nie wieder etwas von dieser Firma und habe tagelang gebraucht, bis mir dann endlich die Leiharbeitsfirma am Telefon mitteilte, dass die Firma mich nicht haben will, denn die nette Frau, die angeblich so dringend Leute für dieses Call-Center gesucht hatte, war so gut wie gar nicht zu erreichen und ich erfuhr das schließlich auch nur über irgendeine Sekretärin. Warum das Call-Center mich nicht haben wollte, habe ich nie erfahren. .. Mein Mann ist von Beruf CTA und hat auch schon mehrere dieser Verträge unterschrieben, wurde genauso wenig jemals vermittelt.

      Das einzige, was es jedesmal gekostet hat, war viel Benzingeld, weil man so ja sogar mehrfach 30 – 40 km fahren musste, zuerst um diesen Vertrag zu machen und dann später nochmal zu der eigentlichen Firma.

      Ich habe mich oft gefragt, welchen Sinn macht denn das?

      Und die Call-Center sind im übrigens auch auch nicht die Kunden, für die man arbeitet, auch die sind ja bereits ein Zwischenglied in dieser Kette.

      Wenn da aber irgendwelche Zahlungen fließen sollten, dass wäre es zu verstehen, warum sowas überhaupt gemacht wird.

      LG
      Renate

    • Zitat: „…ging ich darauf ein, … und dort eine 14-tägige Trainingsmaßnahme durchzuführen, um zu testen, ob diese Arbeit überhaupt etwas für mich ist.“

      Entschuldigung, aber ich habe nicht das geringste Verständnis dafür, eine von dir sogenannte „Trainingsmaßnahme“ zu machen.
      So etwas heißt nämlich richtigerweise Aushilfe (Aushilfsjob, befristete Aushilfstätigkeit) und gehört bezahlt, sozialversicherungspflichtig.

      Wer auf so etwas eingeht, zeigt, daß er ein Stiefellecker seines Arbeitgebers ist (Danke, danke, danke, daß ich arbeiten darf), er versaut den anderen die Moral der Arbeiteber (es gibt ja soo viele, die arbeiten kommen ohne Bezahlung) und er betrügt noch in Mittäterschaft die Sozialversicherungen um erhebliche Beträge, die allen Arbeitnehmern zukommen.

  19. Gerade auf SPON (Spiegel-Online) entdeckt:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/arbeitsamt-chef-weise-nimmt-stellung-zu-manipulations-vorwurf-a-907599.html

    Da redet (sich) jemand mal wieder einiges sehr sehr schön…
    Und noch immer habe ich keine Antwort auf meine zornige e-mail an die Pressestelle wegen dieser bescheuerten Presseerklärung 035.

    • @Olaf aus HH,

      ich natürlich auch nicht. Habe damit aber auch nicht gerechnet, denn dann hätten die „arbeiten“ müssen, jede Mail lesen (und vielleicht auch verstehen müssen) und sich in die Gefahr begeben, weitere Unwahrheiten zu verbreiten.
      Die bisherigen Verlautbarungen zeigen auch, die wissen es nun mal besser, als alle Betroffenen! 😉

      • Hallo Tanguero –

        natürlich habe auch ich nicht ernstlich mit einer re-mail/ Antwort der BA gerechnet.
        Aber es paßt dann doch ins Bild: Die Dirigenten der BA verbarrikadieren sich und zeigen sich nicht.

        Weit weg vom realen Geschehen wird anal lysiert 😉

        Na ja. Das Leben geht weiter.

  20. Ich habe dazu noch eine weitere Anmerkung, die die freien Stellen betrifft. Da unsere Firma nicht tragfähig ist und wir aufstocken müssen, müssen wir auch weiterhin nach Arbeit suchen .. ich sehe darin nicht viel Sinn, werde im Sommer 60 und mein Mann ist 54 und auch ewig lange aus seinem erlernten Beruf raus .. in meinen Augen sind diese Bewerbungen nur das Verfassen unbezahlter Texte, denn es kommen sowieso nur Absagen. Wir könnten beide in der gleichen Zeit auch Texte bearbeiten, die zwar nicht gut, aber immerhin bezahlt werden. Da hätten wir und auch das Jobcenter mehr von. Aber nun ja.

    Da ich immer die Job-Angebote durchschauen muss, ist mir inzwischen aufgefallen, dass ja nicht jede freie Stelle, die man da findet, auch wirklich eine ist, die nur einmal angeboten wird. Ein Job wird doch oft von diversen Leiharbeitsfirmen oder Arbeitsvermittlern immer wieder ins Netz gestellt. Es ist oft offensichtlich, dass es genau der gleiche Job ist, der da mehrfach angeboten wird.

    Wenn man das einmal berücksichtigen würde, dann hätten wir viel weniger freie Stellen.

    Und wenn man mal alle Menschen, die aufstocken, weil sie von der Arbeit aufgrund des niedrigen Lohns nicht leben können, zu den eigentlich Arbeitslosen zählen würde, die Zahl möchte ich dann nicht wissen.

    Ich kenne inzwischen unendlich viele Menschen, die aufstocken müssen und in meinen Augen ist jeder davon arbeitslos, wer er oder sie einen besseren Job sucht, von dem auch eine Familie leben kann.

    LG
    Renate

  21. Die Formulierung mit dem „intelligenten Freizeitentzug“ ist ja geradezu genial. Man könnte direkt in Versuchung kommen, daraus gewisse Rückschlüsse auf die Intelligenz und geistigen Fähigkeiten der Verfasser zu ziehen. Für diesen unnützen Dummfug werden also die Millionen verschleudert, von denen natürlich einige nicht schlecht profitieren. Inwieweit sind eigentlich unsere Gewerkschaften als Eigner von Bildungsträgern darin involviert?

    • Gemeint ist ja und richtig muß es heißen: Inelligenter Freiheitsentzug.

      Intelligent deshalb, weil Freiheitsentzug ohne Anklage/Gerichtsverhandlung strafbar ist, hier aber nicht wegen Freiheitsentzug geklagt werden kann.

      Der Souverän

  22. Ich arbeite zur Zeit durchaus Vollzeit als Autorin und Werbetexterin. Das mache ich gemeinsam mit meinem Ehemann. In meinem Fall würde ich sagen, dass ich durchaus einen Teilaspekt des Berufs damit abdecke, den ich einmal gelernt habe. Ich bin nämlich Industriekauffrau und habe nach Beendigung meiner Ausbildung zunächst im Vertrieb und Marketingbereich und später in der Textverarbeitung gearbeitet. 1986 machte ich wegen meiner Familie .. habe 4 Kinder und eines davon kam spastisch gelähmt auf die Welt und brauchte eine Weile viel Zeit zum Beturnen und so weiter, womit meine Mutter überfordert war, die damals schon auf die 70 zuging … eine relativ kurze Pause. Danach hätte ich gern Teilzeit gearbeitet, fand aber schon damals nichts in meinem Beruf. Ich habe dann das Abitur nachgemacht und begonnen zu studieren. Ich war übrigens wirklich gut, meine Abinote war im Alter von 38 Jahren 1,9, womit ich Psychologie studieren konnte. Ich scheiterte aber beim Studium einfach an den Kosten, den unregelmäßigen Vorlesungszeiten und dem Unverständnis meines damaligen Ehemannes,diese Phase gemeinsam ohne Bafög, ohne Unterstützung von irgendwoher mit mir durchzuhalten. .. Eine Weile jobbte ich später im Bereich Gartenbau . das ging so lange recht gut, bis die polnischen Arbeiterkolonnen so billig diese Arbeit machten, dass unsere Löhne das Benzingeld, um zur Arbeit zu fahren, nicht mehr einbrachten .. also Hausfrauendasein. Später kamen Trennungsphasen von meinem inzwischen Ex-Mann dazu .. auch die Armut machte unser Zusammenleben nicht einfacher, dann der körperliche Zusammenbruch meiner Mutter … was ich in Bezug auf die Pflegesituation in Deutschland erlebt habe, ist noch schlimmer als Hartz IV … irgendwann in einer Trennungsphase eine Weiterbildung. Ich hätte gern an mein abgebrochenes Studium angeknüpft und wäre so gern auf eine Erzieherschule gegangen .. wurde aber überredet, einen Kurs an der Grone Schule zu machen, um an meine kaufmännische Ausbildung anzuknüpfen. Das hörte sich gut an, war es aber nicht … ich habe diesen Kurs mit fast ausschließlich 1 und einer 2 abgeschlossen, konnte aber anschließend dennoch nichts damit anfangen. Ich habe dort kaum was gelernt .. die Härte 10 war der Englisch-Kurs, in dem jeder der Teilnehmer besser Englisch sprach als die Lehrerin … Words, Excel, Finanz- und Lohnbuchhaltung haben wir kurz durchgenommen, aber so wenig gelernt, dass ich damit nichts anfangen konnte .. das auf KHK zu einer Zeit, als die Firmen alle auf SAP umgestellt haben .. also komplett veralteter Software .. heute versucht man ständig, uns über die Abteilung midnmang 50plus in diese Alte-Leute-Kurse zu bugsieren .. mein neuer Ehemann war schon ein halbes Jahr dort, obwohl er zu Hause hätte gut weiter als Texter arbeiten können … man will uns auch schon wieder dort hin drängeln und wenn ich nicht so durchsetzungsfähig und genau genommen gut „in meinem Job“, auch mich selbst zu verkaufen wäre, dann wären wir vermutlich jetzt alle beide und unsere kleine Texter-Firma pleite. .. Erstaunt war unsere Fallmanagerin, als ich ihr erklärt habe, dass ich genau genommen jetzt durchaus in meinem erlernten Beruf arbeite .. nur haben sich die Zeiten so gewandelt, dass es heute keine Werbeabteilungen mehr gibt, wo man als Sachbearbeiter tätig ist … heute eine Industriekauffrau nicht mehr gleichzeitig die Bestellannahme, Akquisition, Anzeigenwerbung und so weiter von der Firma aus als Sachbearbeiterin macht … heute gehört zur Werbung auch sehr verschärft das Einbeziehen des Internets und Blog-Werbung, Shop-Beschreibungen und dergleichen dazu. .. Und als jemand, die den Content für Blogs und Shops schreibt, arbeite ich durchaus in meinem Beruf .. der wird aber heute nicht mehr in Form eines Sachbearbeiter-Jobs vergeben, sondern über diverse Portale an sogenannte Freelancer vergeben, die dafür für jeden einzelnen Auftrag Gabe erhalten .. und die ist nicht hoch.

    Auch das liegt an der Agenda 2010.

    Sie hat es verstanden, glaube ich.

    Aber geschult werden heute doch die Mitarbeiter in den Jobcentern nicht mehr darauf, wie sich Berufe im Laufe der Zeit verändern, sondern wie in diesem schönen Artikel beschrieben, Menschen nach Möglichkeit in sinnlose Beschäftigungsmaßnahmen zu stecken.

    Und gerade für Menschen mit viel Bildung ist das oft nur eins … gähnende Langeweile, die sie in keiner Weise weiter bringt, sondern nur hemmt.

    LG
    Renate

  23. Vermittlungshemmnisse – auch wieder so ein Unwort das nur dazu dient das Opfer zum Schuldigen zu stempeln.

    Es gibt keine Vermittlungshemmnisse, es KANN NUR GUTE GRÜNDE geben die dazu führen, daß eben NICHT JEDE „Arbeit“ (von jedem) verrichtet werden kann.

    Der Souverän

  24. Ich zitiere ein mal aus dem Beitrag.
    Zitat Anfang:
    „… Neuartige und effiziente IT-Lösungen werden kommen und das Personalmanagement wird vorausschauend gestaltet. Dabei ist das primäre Ziel die möglichst schnelle Beendigung der Arbeitslosigkeit durch Beschäftigung. Die frühzeitige treffsichere Investition in Qualifizierung soll somit zur Beschäftigungsaufnahme führen. Das klingt nachvollziehbar….“
    Zitat Ende
    Allegro ist im Anmarsch. Allegro, in der Musik als Tempi „schnell“ bezeichnet und aus dem Italienischen lässt es sich mit fröhlich, lustig und heiter übersetzen.

    Zumindest die Namensgeber der Zwangsverwaltungssoftware, scheinen ihren Humor nicht vergessen zu haben.
    Die Innovation zu der Belustigung der Sachbearbeitungen, bringt auch gleich eine neue und kleine Hürde mit sich. Die bisherigen Datenbestände müssen wohl manuell eingegeben werden. Da lacht mit Sicherheit schon heute das mit Herzblut versehene Sachbearbeitungsherz 🙂

    Über den Preis der Innovation, habe ich noch nichts weiter gehört, aber sicherlich werden auch dazu bald Zahlen durchsickern.

    Lassen wir uns also vorerst als potentielle einzupflegende Kunden in diese Software von dem Namen berauschen:
    Schneller, fröhlich, lustig und heiter, betreibt die BA ihre Entrechtung der betroffenen Menschen weiter!

    Noch schnellere Sanktion? Noch schnellere Berechnungsfehler? Noch schnellere Zwangsarbeit ohne Existenz sichernden Lohn? Noch schnellerer Sachbearbeitungswechsel? Noch schneller aufeinanderfolgende Termine? Schneller Bewerbungen schreiben? Schnellere Ablehnung von Widersprüchen?
    Entrechtung mit datenelektronischen Mitteln, in Höchstgeschwindigkeit?

    Oder lieber neue Musik in die Jobcenter, meinethalben auch Allegro oder Andante?

    Herzlichst, Grüße aus Kiel,

    Lutz

    • Das Video ist phantastisch, mal sehen, ob sich in Leipzig was ähnliches organisieren lässt.
      Beste Grüße
      Dieter

      • Da würden sich wohl der Sicherheitsdienst auf die Musiker stürzen, die Geräte zertrümmern und die Polizei gerufen wegen tätlchen Angriffs und stören der öffentlichen Ordnung. Alle anwesenden Leistungsempfänger erhielten eine 30% Sanktion, mit der Begründung das damit der Arbeitsausfall abgedeckt würde – ganz exakt genau so würde es ablaufen. 🙂 Ach, und natürlich Strafanzeigen gegen die Musiker.

        Der Souverän

      • Vielleicht hiermit ? – eine meiner persönlichen Hymnen gegen Ungerechtigkeit:

        http://www.youtube.com/watch?v=Zr1rzSSMsac&feature=related (mit Text

        es ist zudem relativ einfach zu spielen und zu singen (irische Fußballfans haben es in Gdansk am 14.06.2012 während der EM 2012 zu Tausenden gesungen, als Irland gegen Spanien 0:4 zurücklag und die Niederlage einfach klar war. Gewaltig, eine Ehrung des aufrechten kämpferischen Untergangs gegen die [spielerische] Übermacht).
        Hier ist zum geschichtlichen Hintergrund des Liedes einiges zu lesen:

        http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Hungersnot_in_Irland

        Der Flashmob in Spanien (also das Video, das Du hier veröffentlicht hast) ist wirklich genial. Genau so etwas funktioniert hundert Mal besser als konfrontatives Gemecker, denn es bringt die Fallmanager durchaus in eine Verlegenheit – einige kamen ja wohl auch irritiert in den Wartebereich, um zu sehen, was dort passiert bzw. dort „los ist“ – und baut die Antragsteller auch auf. Wie an den Umarmungen zu sehen ist.
        Einfach kreativ und auch einfach nicht „angreifbar“.
        Klasse !

      • @Souverän, auch wenn ich die Ironie verstehe, sollten wir öffentlich grundsätzlich nach Lösungen suchen und nicht nach möglichen Problemen.
        Das würde besser weiter helfen!

        Herzlichst, Grüße aus Kiel, Lutz

      • @ Lutz

        Und was willst Du mir damit sagen? Das man beim suchen nach Lösungen keinen Spaß haben darf, oder keinen Scherz machen darf?
        Habe das Gefühl so einige hier haben die Gebaren ihrer Fallheinis angenommen…

        Der Souverän

        @Souverän, auch wenn ich die Ironie verstehe, sollten wir öffentlich grundsätzlich nach Lösungen suchen und nicht nach möglichen Problemen.
        Das würde besser weiter helfen!

        Herzlichst, Grüße aus Kiel, Lutz

    • Danke für dieses geniale Video…

      Gänsenhaut pur, ich fände es großartig, wenn sowas auch in Deutschland gemacht würde.

    • Auf die Gefahr hin, dass Tanguero jetzt einen Tobsuchtsanfall bekommt, auf dieses Video muss man reagieren, denn es zeigt den Umgang der Menschen miteinander..
      Bei uns lief uns läuft das so: http://www.muenchner-montagsdemo.de/index.php?cat=22_Charta ab, und wir glauben mit Schreibereien, der Gewerkschaft, Politikern und den sich wichtig Fühlenden, die deutschen Köpfe ändern zu können.?
      Das was den Menschen viele Jahre eingetrichtert wurde, wird damit ganz sicher nicht gelöscht!
      Wer darauf verzichtet dagegen vor zu gehen, der hat die Leidenden nicht in seinem Focus!

      • @sugar base,
        Sie überschätzen sich (wie so oift)

      • @ sugar base

        Sie arbeiten immer gleich. Geben sich als Hartz IVler aus, und verbreiten in Foren Zwietracht.
        Erst versuchen sie subtil – aber dafür sind sie einfach zu dumm/durchschaubar – persönlich zu diffamieren und zu maßregeln (typisches Herrenmaniergebaren) . Eben wie Fallheinis arbeiten. Dann kommen noch 1, 2, oder 3 hinzu und gießen Oel ins Feuer. Und so versuchen sie zu spalten. Das lässt sich leider in Foren nicht vermeiden, aber man muß ja nicht drauf reinfallen…

        Der Souverän

    • @Souverän:
      „Und was willst Du mir damit sagen? Das man beim suchen nach Lösungen keinen Spaß haben darf, oder keinen Scherz machen darf?
      Habe das Gefühl so einige hier haben die Gebaren ihrer Fallheinis angenommen…

      Der Souverän

      Lieber Souverän,
      in einem breiten Kampf gegen die Widrigkeiten, ist es nicht hilfreich, die Schwächeren in dem System der Betroffenheit allein zurück zu lassen. Diese lesen nämlich voller Hoffnung hier auch!
      Wenn der Eine oder der Andere, ich übrigens genauso, seinen gesunden Humor nicht verlernt hat, dann sollte nicht verborgen bleiben, dass sich auch in dieser Stunde Entrechter damit beschäftigen, ihre Arbeitsanweisungen nach ihrem Intellekt an Schwächeren umsetzen.
      Wenn Du die Dreistigkeit an den Tag legst, mich einen Fallheini zu nennen, was glaubst Du wohl, was Hoffnungslose aus den Worten von Dir entnehmen werden!?

      Du solltest nicht grundsätzlich einzig an der Befriedung Deiner Genußnerveren denken, sondern vordringlich mittun, auch die Schwächeren in unserem Kampf mitzunehmen. Mehr wollte ich Dir damit nicht vermitteln.
      Vielleicht hast Du ja am 14.09.2013 Zeit und kannst Deinen Humor in der Demonstration in Berlin vortragen, ganz praktisch, Treffpunkt 13 Uhr am Neptunbrunnen!
      Dort kannst Du dann auch unter Deinem Pseudonym vorgetragene Einschränkung, ganz öffentlich zur Schau stellen.

      Herzlichst, Grüße aus Kiel,

      Lutz

      • @ Lutz

        Wenn Du die Dreistigkeit an den Tag legst, mich einen Fallheini zu nennen, was glaubst Du wohl, was Hoffnungslose aus den Worten von Dir entnehmen werden!?“

        Und das war meine Aussage:
        Habe das Gefühl so einige hier haben die Gebaren ihrer Fallheinis angenommen…

        Und da möchtest Du eine Dreistigkeit konstruieren, nur auf Grundlge Deiner unwahren Behauptung?

        Wie sollte ich das denn nennen?(rhet.)

        Der Souverän

  25. Also, irgendwie bekomme ich so langsam aber sicher Angst. Angst vorm Alter. Ich bin mittlerweile 56 und kann mich auf dem Arbeitsmarkt zwar bewerben, als Beschäftigungsmaßnahme, ansonsten wird das nichts mehr bringen. Was Vermittlungshemmnisse sind und wie sie entstehen, ist bei meiner Geschichte ersichtlich. Ich werde allerdings nur ein paar kurze Anekdoten der Arbeitsämter, Argen und Jobcenter zum besten geben, ansonsten würde das hier ein oder zwei Bücher werden.

    Meine Mutter sagte damals zu mir „Jung, lerne was dann hastes später gut.“ Nun gut also hab ich eine Lehre zum Maurer und Fliesenleger (gab es damals beide Prüfungen zusammen) abgeschlossen. Nachdem ich 3Jahre gelernt habe und 3 Jahre als Geselle gearbeitet habe, machte sich mein Kreuz und meine Knie bemerkbar, so das ich den Beruf nicht mehr ausüben konnte. Naja bei uns in der Nähe war die riesenfirma Krupp. Dort machte ich eine Ausbildung zum Kranführer und Staplerfahrer. Prima dachte ich, das ist nun mein „Rentenjob“. Als dann die Gerüchte um die Schliessung aufkamen und ich schon immer ein zukunftsorientierter Mensch war dachte ich man könne sich ja mal ans Arbeitsamt wenden, was es da noch so für Möglichkeiten geben könnte. Das das mein größter Fehler war stellte sich mit den Jahren herraus. Man machte einige Tests mit mir und ermöglichte mir eine Umschulung zum Kommunikationselektroniker der Fachrichtung Funktechnik. Auf deutsch ein Radio und Fernsehtechniker mit Kenntnissen der Digitaltechnik.Mit Freude und Elan schloss ich diese Ausbildung als bester in NRW ab und dachte nun das ich Arbeit bekomme. Weit gefehlt, denn den Berufsnamen kannte kein Mensch. Das AA teilte mir darauf hin mit, ich solle doch einen 9 Monatigen Lehrgang mitmachen um Microcomputer gesteuerte Elektronik zu lernen. Mein Einwand, das meine Lehre SPS (also das gleiche nur mit nem anderen Namen) enthielt, und ich somit das Lernziehl schon erreicht hatte, zählte fürs AA nicht.

    Parallel zur Schule, machte ich einem befreundeten ITler der einen Computerladen besaß den Vorschlag, Ich repariere Monitore und du zeigst mir wie die Computer zusammengebaut und konfiguriert werden. Das machte ich so ca. 1 Jahr (wohlgemerkt kostenlos). Danach wechselte ich in ein IT Unternehmen, wo ich die Computer zusammenbaute und konfigurierte und man brachte mir die geheimnisse des Netzwerkes bei. Das machte ich auch so ca. 1,5 Jahre. Ich fand auch tatsächlich in dem Bereich bei einer großen Fa. Arbeit und Arbeitete mich in 2 Jahren zum Netzwerkadministrator hoch. Ich verdiente sehr gutes Geld, eigener Firmenwagen usw. Nach 3 Jahren bekam ich aber die Kündigung, weil Versicherungen nur noch zertifizierte Mitarbeiter tollerierte. Diese Zertifizierung den MSCE hatte ich schon mal im Internet gemacht (ohne ID von MS ist das ne Demo) und dachte mir, bevor ich nun wieder 1000 Bewerbungen schreibe frage ich mal beim AA ob es eventuell eine Möglichkeit gäbe. Man teilte mir mit, das eine Fa. die Computer verkauft und gerne auch einrichten wolle, einen Mitarbeiter sucht für 1 Jahr befristet. Wenn ich diese Stelle annehmen würde, könne man danach die Schulung durchführen.

    Bei dieser Fa. administrierte ich eine Schule mit ca. 150 Rechnern und 3 Servern wobei die Server auch alle verschiedene Systeme hatten. Novell, Windoof und Linux. Ich richtete die Klassenräume eine, legte Sicherheitsrichtlinien fest usw.
    Nach einem Jahr lief nun das Beschäftigungsverhältnis aus und ich stand also wieder beim AA. Was man mir allerdings nun aufs Auge drückte war unter aller Sau. Ich sollte einen Grundkurs zur EDV machen, zum EDV-Service-Techniker bei genau der Schule, die ich vorher administriert hatte. Alle Beschwerden usw. nützen nichts ich musste den Lehrgang mitmachen.

    Den Beruf EDV-Service-Techniker gibt es allerdings nicht, es gibt Zertifikate (für die Toilette) sonst nix.

    Und so spielte sich das weiter ab. Meine Bewerbungsmöglichkeiten liessen rapide nach, denn als Maurer und Fliesenleger geht nichts, wegen Körperlichen Beschwerden. Als Elektroniker geht nicht, da seit ca.20 Jahren raus aus dem Beruf. Und als ITler kann ich mich als Hilsarbeiter bewerben und sonst nix.

    So Parke ich schon seit Jahren in der Hartz4 Falle, soll Bewerbungstraining (3x) und andere diverse Maßnahmen mitmachen die nichts bringen. Bewerbungen hab ich bestimmt 1500 in den 10 Jahren jetzt geschrieben. Wen man dann hört man soll sich 10x im Monat bewerben, frag ich mich was das fürn sinn macht außer das es Geld kostet und zwar den Steuerzahler und mich. Mann muss ständig mit Sanktionen rechnen usw. Das ist doch alles kein Leben mehr, nur noch ein dahinsichen. Ich habe mich in meinem Bereich selbstständig gemacht und komme aber nicht um die Aufstockung herum. Wenn ich nur den Hartz4 Satz hätte ohne den erlaubten zuverdienst, würde ich verhungern. Und da ist die Angst. Wie wird es wenn ich mal nicht mehr kann? Wird sich noch etwas ändern? Ist es schon zu spät dieses neoliberale Pack fortzujagen ? 10 Jahre und es wird schlimmer. Pennt das Bundesverfassungsgericht ? oder sind die von der Politik gestellten höchsten Richter doch nur systemtreu?

    Ich habe wenig hoffnung, das es sich zum besseren wenden wird ehr zum schlechteren. Die Anfänge sind wieder da bzw. schon überschritten nur ist das System heute subtieler, man hat schliesslich aus der Geschichte gelernt.

    Diskus

    • „oder sind die von der Politik gestellten höchsten Richter doch nur systemtreu?“

      Das kann doch nur eine rhetorische Frage sein, oder? Lasst euch doch nicht einlullen von der Bild-medialen Aufputsch“berichterstattung“ wenn mal einer von hunderttausend klagenden Bürgern tatsächlich Einzel-Recht bekommt. Einzelrecht deshalb, weil jeder genau gleich gelagerte Fall wieder bis vor das BVerfG durchgezogen werden müsste.

      Der Souverän

    • Lieber Diskus,
      Lebenslauf, „Erwerbsbiographie“ wir Ihre/n gibt es sehr viele. – Wenn Sie aufgefordert (?) wurden / werden, „10 Bewerbungen pro Monat“ nachzuweisen, fordern Sie in der Eingliederungsvereinbarung von Ihrer Vermittlungsfachkraft ebenso „10 passgenaue Vermittlugsvorschläge pro Monat“ aufzunehmen. – „Passgenau“ bedeutet unter Berückschtigung Ihrer Eignung (u.a. berufliche Fähigkeiten, Fertigkeiten, gesundheitliche Aspekte, etc) für jene Arbeitsstellen. – So würde das „Spiel um die Arbeitsplätze“ und die Verringerung / Beendigung der Hilfebedürftigkeit im Sinne des SGB II in diesem Punkt zumindest auf Augenhöhe stattfinden.
      Grüße und alles Gute
      Rainer Bünning

      • @ Rainer Bünning
        Gute Idee – werde ich einmal ansprechen, wenn mir das passieren sollte.

    • 10 Bewerbungen pro Monat schreiben zu müssen ergibt wenig bis keinen Sinn im Hinblick auf die Eingliederung in Arbeit. (Denn wenn man sich so oft bewerben muß, ohne daß es zu einer Einstellung kommt, ist es offenkundig, daß das eigentliche Problem die mangelnde Zahl freier Stellen ist.)
      Der Sinn einer Verpflichtung zu 10 Bewerbungen pro Monat liegt in erster Linie darin, daß man einmal nicht die 10 Bewerbungen zusammenbekommt und sodann „zu Recht“ für diesen „Pflichtverstoß“ sanktioniert werden kann. Man versucht die Leistungsberechtigten auf diese Weise in die Enge zu treiben.

      Lesetipp: der Aufsatz „Entrechtung durch Recht“ von der Rechtsprofessorin Helga Spindler.

      • „10 Bewerbungen pro Monat schreiben zu müssen ergibt wenig bis keinen Sinn im Hinblick auf die Eingliederung in Arbeit. (Denn wenn man sich so oft bewerben muß, ohne daß es zu einer Einstellung kommt, ist es offenkundig, daß das eigentliche Problem die mangelnde Zahl freier Stellen ist.)“

        Lieber Humanist, das siehst Du völlig falsch. Wenn Du bei 10 Bewerbungen pro Monat noch immer keine Arbeit gefunden hast, kann es nur an der Art Deiner Bewerbungen liegen. Also höchste Zeit für ein Bewerbungstraining!

        Als Beistand habe ich einen durchaus gut ausgebildeten und auch langmütigen Erwerbslosen zum argen „Jobcenter“ begleitet, dem genau dies gesagt wurde. Auf seinen Einwand hin, er habe bereits zwei Bewerbungstrainings absolviert, an seinen Bewerbungen könne es also nicht liegen, klärte ihn die arge Sachbearbeiterin auf: In seinem Fall sei ein weiteres, ganz besonders intensives Bewerbungstraining dringend angezeigt, da er (sinngemäß) ja offensichtlich den ganzen segensreichen Lehrstoff der vorangegangenen Kurse noch immer nicht verstanden habe.

        Anmerkung am Rande: Ich hatte einige Schwierigkeiten, meinen Begleiteten davon zu überzeugen, dass Körperverletzung nicht das Mittel der Wahl ist, um auf derartige arge Unverschämtheiten zu antworten.

    • Nur zur Aufmunterung.
      Und wenn’s nicht mehr geht Rentenantrag stellen.

  26. Von 1 Euro-Job kann ich ein Lied Singen!Eine Kommune wollte mich Übernehmen!Aber Jobcenter legte sich Quer nicht genehmigt!Sollte vom Späten Frühjahr bis Spätherbst Verlängerung bekommen da 2 Mitarbeiter in Ruhestand gingen!Also als Ersatz!Erfahrungen und Lkw-Schein Waren vorhanden!Nun Sitz ich schon 2 Jahre hier und Bewerbe mich >Sinnlos<!Zu Alt oder zu Lange ohne Job!Zeitarbeit ja nur Saison und als Dank Hungerlohn,Schichten Geschoben mit Unterschreiten der Gesetzlichen Ruhezeiten (Weit) und noch Beschissen worden!Dem Jobcenter ist des Wurscht Hauptsache Vermittelt!Danke

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