Dreist, frech, am frechsten – Ralph Boes

Dreist, frech, am frechsten – Ralph Boes. Wunderbar, die Medienlandschaft „Bild“ sich eine Meinung. Im Schlepptau: Die Welt, Focus, der Freitag, Berliner Zeitung, Berliner Kurier, Der Tagesspiegel, Die Zeit und die TAZ. Auserkoren zum Held in der ach so besinnlichen Weihnachtszeit. Hetze durch Bild dir eine Meinung, Sachlichkeit durch Der Tagesspiegel, Focus hetzt hinterher, Die Zeit „reportiert“ und die TAZ fragt und sucht. Und was macht Boes? Boes meldet sich ab und an über Facebook zu Wort, schreibt weiterhin fleißig an seine Sachbearbeiterin im Jobcenter-Mitte, Berlin und provoziert weiter. „Schnorrt“, fordert, „lümmelt“ in Gandhi-Haltung weiter auf seinem Stuhl in Wedding und fühlt sich wie Rainer Langhans anno 1967. So lässt es sich leben – wäre da nicht noch etwas.

Boes geht es nicht um faulenzen, Mediengeilheit oder philosophische Spinnereien. Er will mehr. Zunächst geht es ihm um das Grundgesetz.

• Die Würde des Menschen ist unantastbar (GG Artikel 1).
• Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit (GG Artikel 2)
• Schutz der Familie (GG Artikel 6)
• Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet (GG Artikel 11)
• Freie Berufswahl, Ausbildungswahl (GG Artikel 12)
• Unverletzlichkeit der Wohnung (GG Artikel 13)
• Zitiergebot (GG Artikel 19)

Boes spricht in seinem Brandbrief vom Grundstein der Republik. Und genau dieses sieht er in Gefahr. Für ihn heißt die Gefahrenquelle Hartz IV. Mit der Arbeitsmarktreform 2005 und unter dem vielversprechenden Namen „Agenda 2010“ sollte der Anspruch Menschen ohne Arbeit zu fördern und zu fordern geschaffen werden.
Sprach der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) noch von: „Wir werden Leistungen des Staates kürzen, Eigenverantwortung fördern und mehr Eigenleistungen von jedem Einzelnen abfordern müssen“, sieht die Realität inzwischen anders aus. Boes rüttelt hier auf.

Brandbrief – Abkehr der staatlichen Zumutung

Durch die Verteilung seines Brandbriefes 2011 an die Bundesregierung, der Bundesagentur für Arbeit und seines Jobcenters starte er erstmals den Versuch, auf die derzeitigen Missstände aufmerksam zu machen. Er zieht damit persönliche Konsequenzen und widersteht offen jeder staatlichen Zumutung, ein ihm unsinnig erscheinendes Arbeitsangebot anzunehmen. Auch ihm unsinnig erscheinende Regeln befolgt er nicht. Stattdessen fordert er ein unbedingtes Recht auf ein freies, selbstbestimmtes Leben – ohne von außen vorgeschriebene Tätigkeiten (durch das Jobcenter). Selbst wenn er dafür durch die wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse auf Hartz IV angewiesen sei. So verweigert er die Abgabe von Bewerbungen wie zuletzt in einem Callcenter oder die Abgabe einer unterschriebenen Eingliederungsvereinbarung (EgV) und verfasst stattdessen selbst eine. Durch die offene Angabe seiner Reisetätigkeiten in Funktion eines Redners und der damit unerlaubten Ortsabwesenheiten gegenüber des Jobcenters, provozierte er die Einleitung von Sanktionen. Knapp zwei Jahre musste er auf die Kürzung seines Geldes warten. Zum November war es nun soweit. Boes wurde auf 90 Prozent sanktioniert. Im blieben 37,40 Euro zum Leben.

Sanktionshungern mit 37,40 Euro

Sein Sanktionshungern schlug eine breite Welle von Sympathisanten und fast schon ist man dazu geneigt zu sagen, von Anhängern. Glaubt man, dass die Anhänger mehrheitlich ebenso Hartz IV-Betroffene sind, irrt man. Arbeitendes Volk, Journalisten, Freie, Verbände und Parteien sind auf seinen Aktionsseiten zu finden. Mit Solidaritätserklärungen erklären und fühlen sie sich mit Boes verbunden.

Boes erklärt sich. Muss sich erklären, da sein Sanktionshungern oftmals als Hungerstreik verstanden wird. Er hungert jedoch nicht, weil er ein Opfer ist. Er hungert, weil er sich mit 37,40 Euro nicht mehr als Gemüsebrühe, Zitronen und Wasser leisten kann.

Hartz IV als unmenschliche Maschine

Hartz IV als „unmenschliche Maschine“, um Leistungsempfängern seiner Rechte zu berauben. Hartz IV als „Drohungsmaschine“, um den Willen der Leistungsempfänger mit Sanktionen, Maßnahmen, Zwangsarbeit oder Niedriglohnarbeiten zu brechen. Gefügigkeit als Mittel, um die Schuldenlast der Bundesrepublik Deutschland zu senken? Und hier setzt Boes erneut an. Fehlende Arbeitsplätze, Überangebot an Waren und der Zwang zur Vollarbeit stehen konträr zur Gesellschaft. Die derzeitigen Verhältnisse müssen weiterentwickelt werden.
Eine Lösung hat Boes: Das bedingungslose Grundeinkommen. Ein Einkommen für Erwerbstätige als auch den Nicht-Erwerbstätigen. Gleichheit für Alle und somit Freiheit für die eigene Lebensgestaltung und vor allem Raum für eigene Initiativen. Aus dieser Überzeugung heraus, arbeitet Boes. Er nennt sich voll berufstätig, da er als Vorstandmitglied des Vereins „Bürgerinitiative bedingungsloses Grundeinkommen e.V.“ durchaus Vollzeit beschäftigt ist. Er fordert die Anerkennung von ehrenamtlichen Tätigkeiten im gleichen Maße wie ein bezahlter Job. Und somit die Anerkennung des Menschen in seiner Rolle und seiner Tätigkeit. Spätestens hier ist der Philosoph Boes zu erkennen.

Ist dieser Wunsch zu hoch angesetzt? Schweben Boes und die Anhänger dieser Philosophie in außergalaktischen Sphären? Wohl kaum, wenn der Umgang mit den „Hartzern“ Zentimeter um Zentimeter akribisch gespiegelt wird. Ein Blick in die Jobbörse der Bundesagentur für Arbeit deckt auf: Zeitarbeit und private Arbeitsvermittlung, insbesondere im gewerblichen Bereich beherrschen die Jobbörse. Arbeiten mit einem Stundenlohn von rund 8 Euro die Stunde. Rund 726 000 gemeldete Stellen stehen rund 6 Millionen Arbeitslosen gegenüber. Nicht berücksichtigt die Leistungsempfänger, welche in Maßnahmen wie Ein-Euro-Jobs oder im fünften Bewerbungstraining feststecken sowie weitere „Statistikleichen“ wie „Dauerkranke, mangelnde Mitwirkung, Aufstocker, Elternzeit. Ohne Einstein zu sein, klafft die Wunde weit auseinander. Mögen zahlreiche Stellen nicht gemeldet sein, kann selbst dann die Wunde nicht akkurat geflickt werden. Zurück bleibt immer eine Narbe. Der Arbeitsmarkt gibt nicht das her, was benötigt wird.

Im Netz der Spinne

So bleiben arme Seelen im Netz der Spinne hängen – Hartz IV. Eine Spinne mit klebrigen Haken an den Füßen. Kein Entkommen möglich. Die Abhängigkeit vom Jobcenter und deren Staatsgewalt ist gegeben. Aus dem Fordern wird ein Alleinstellungsmerkmal. Das Fördern – vergessen. Ein Entrinnen aus den Klauen der Spinne zieht zumeist eine oder mehrere Sanktionen mit sich. Ebenso ein Aufbäumen gegen Ungerechtigkeiten durch die Behandlung der Sachbearbeiter in den Jobcentern. Unbequeme werden beugsam gemacht. „Wo nicht dein Wille, so mein Wille“, gibt die Eingliederungsvereinbarung her. Aus dem Seelenmensch, wird ein Häufchen Seelenmatsch. Aber wen stört’s? Sitzt doch die Executive und Judikative Staatsgewalt auf der anderen Seite des Tisches. Pariert und püriert nach TV-L.

Und wen wundert’s das ein Boes ganz boes wird und seine Anhänger um sich scharrt. Und das erinnert an 1967.



Kategorien:Jobcenter, Raph Boes

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36 replies

  1. Das ist sehr interessant was da steht muss ich schon mal sagen.
    ich habe auch was zu sagen, die Eltern (das Ehepaar G. Aus Lutherstadt Eisleben) von meinem Kumpel beziehen auch Hartz 4 und sind für mich die grössten Leistungsbetrüger die es gibt denn sie bekommen Geld von der mutter des Herrn G. damit sie ihre Schulden beim Versandhandel bezahlen können auserdem bekommt die Frau Goethel noch Pflegegeld weil sie die Mutter des Herrn G. pflegen tut und die Arge weiss nichts davon das nenne ich dreist wer weiss was da noch rauskommt wenn da mal ordentlich nachgeprüft wird.

    • ..ja das tut mir leid für dich, dass deine nachbarin mal paar brote und windeln mehr hat für ihre kranke mutter, unverschämtheit…aber das ist hier nicht das thema…

  2. That was incredibly useful and has given me an idea to publish a new article on my website.
    Also, what hosting company are you using? Your website seems extremely smooth and
    mine is dreadful to load. Thank you so much!

  3. Reblogged this on monopoli und kommentierte:
    Boes hat noch vergessen, Einsicht in die gesamten Akten, ohne das sie vorher gesäubert werden, wie das in ALLEN Arbeitsagenturen üblich ist.

  4. Wie das Jobcenter Rostock sich die Arbeitssuchenden per Einladung mit Rechtsbehelf einlädt und sich anschließend selber lobt, weil so viele Besucher gekommen sind. An einem Freitag, den 26.10.12 kamen in der Zeit von 12:00 Uhr-18:00 Uhr sage und schreibe doch tatsächlich 8.000 Besucher, natürlich angeblich freiwillig. Nun erbrachte aber ein Anfrage über Frag den Staat nach dem Informationsfreiheitsgesetz(IFG), die wirklichen Gründe für den Ansturm.Nachzulesen hier.
    http://www.myheimat.de/rostock/politik/rostock-arbeitsmarktmesse-arbeit-hier-d2475975.html

    Die dort genannte Zahl von 1000 Einladungen aus dem Rostocker Arbeitslosenzentrum bezieht sich auch nur auf die Agentur in Rostock,somit dürften vermutlich mehr als 80% eingeladen worden sein.

  5. Um den Kontext auch zu Hartz IV noch mal deutlicher zu machen, ein Zitat vom ehemalige Arbeitgeberpräsident Michael Rogowski, welches es am 16.12.2004 beim Fernsehsender Phoenix zum besten gegeben hat, Rogowski war darin so offen wie selten:

    „Am 9. November 1989 haben wir mit der Maueröffnung auch die Abrissbirne gegen den Sozialstaat in Stellung gebracht. Hartz V bis VIII werden demnächst folgen. Es ist ein Klassenkampf, und es ist gut so, dass der Gegner auf der anderen Seite kaum noch wahrzunehmen ist.”

  6. Ralph Boes: Ein unglaubliches Dokument:
    Die Bundesagentur für Arbeit ZWEIFELT AN SICH SELBST !!! http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/121213_bundesagentur_analyse.pdf und noch etwas von 2005: http://content.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/916564_0_9223_-interview-langfristig-wird-die-arbeit-verschwinden-.html#.UMt4CrexnUE.facebook und da will die BRD, ähh Finanzelite mit diesen irrsinnigen Zwangsmassnahmen ihr Humankapital durch Leihseuche und Prekärbeschäftigungen ausbeuten soweit wie es möglich ist und der Sklave mitspielt, nicht erkennt, dass das parasitäre System ihm letztendlich mehr schadet als nützlich ist – ergo zu Altersarmut führt in einem „ach so reichen Land, wo man Armutsberichte (in einem ach so reichen Land?) auch noch fälschen muss in Orwellsches Neusprech.

  7. Hallo,

    ja der Artikel ist klasse!

    Leider bin ich auch in H4 gerutscht und es ging schon mit einem ungeheurem Druck los. Das Wort Sanktionen fiel im Erstgespräch immer wieder. Ich habe Angst vor Zeitarbeit, Altersarmut und den Verlust der eigenen Strukturen.

    Wie schon erwähnt tummeln sich zum größten Teil nur noch Zeitarbeitsfirmen in der Jobbörse. Menschenschinder sind das, die diese Jobs als „Chance“ verkaufen. Selbst die Stellenbeschreibungen entsprechen oft nicht der Wahrheit. Das gibt es sogar Jobs, die 7 Tage die Woche laufen und man verdient 7,60 €/Stunde. Immer auf Abruf.

    Ich habe seit Wochen kalte Hände und weiss nicht, wie lange ich diesen Druck aushalten werde. Ich habe Angst, schreckliche Angst! Ich war bei einem Psychiater der sagte mir: Nehmen Sie Tabletten und gehen Sie arbeiten! Eiskalte Welt!

    Ein bedingungsloses Einkommen wird es wohl nie geben, aber SO VIEL Druck DARF nicht sein. Und Menschen wie die „tolle“ Putzfrau aus der Maischberger-Sendung gibt es doch genug. Das System würde nicht zusammenbrechen…außer wir zerbrechen es…zumindest sollte es in seine Schranken gewiesen werden. Ich hätte gerne einen geregelten Job…aber ich habe keine Rechte mehr, diesen zu fordern.

    Ed

    • Hallo,
      Ich kann Herrn Boes in allen Ausführungen nur zu 100 % zustimmen,

      Kurz nur meine Geschichte.

      Ich bin 59 Jahre alt, sei 6 Jahren arbeitssuchend, ALG II Bezieher.
      Schreiber von hundeten von Bewerbungen,
      Ausgebildeter Informations Elektroniker, IT Supporter und Programmierer.
      Trotz der wohl anspruchsvollen Qualifikationen bekomme ich keine Arbeit.

      Nun zum bedingungslosen Grundeinkommen das nur meiner Meinung entspricht.
      Die Personen die das System „HARTZ 4“ erdacht haben und davon profitieren,
      werden wohl auch zu den selben Personen gehören die sich das System „EURO“
      erdacht haben und davon profitieren,

      Dieser Personen-Kreis dürfte sehr sehr mächtig sein, und ich glaube nicht das
      er den Machtapperat „HARTZ 4 und EURO“ freiwillig aus der Hand gibt. Ich
      glaube sogar er würde über Leichen gehen, um ihn zu verteidigen.

      Was aber auch noch das schlimmste ist, man weiß ja noch nicht einmal wer
      dieser Personenkreis ist.

      Bei dieser Sachlage sieht die Zukunft nicht sehr rosig aus.

      Gruß
      Heinrich Th

    • Ich hatte ein kurzes aber heftiges Gastspiel als ALG I-Bezieher und Aufstocker, Gott sei Dank ist das Geschichte.

      Auch ich habe Weihnachten 2009 im Dunkeln vor dem abgetauten und leeren Kühlschrank gehockt, nach einem schönen Schrieb, dass man mir die Bezüge kürzen würde, was aber nicht ersichtlich war, sondern ganz klein und versteckt, so dass ich es überlas. Und obwohl ich schon Anfang Dezember um einen Termin gebeten hatte, bei dem sich alles hätte klären lassen, habe ich erst im April 2010 wieder einen Termin bekommen, den ich dankend abgelehnt habe, da ich schon wieder Arbeit hatte, trotz der Bemühungen des JC (als Aufstocker ist man, trotz ALG I-Bezugs, unter der Fuchtel des JC), mich in prekäre Jobs zu zwingen.

      Das war dann das zweite Mal, dass mein Anwalt denen die Hammelbeine langgezogen hat, nachdem ich die ersten 4 Monate meiner Erwerbslosigkeit mal eben garnichts bekommen habe trotz vollständiger und fristgerechter Einreichung aller Unterlagen und die Sachbearbeiterin nur zu mir meinte: „Wenn Sie meckern wollen, Herr X, dann datiere ich Ihre Anträge noch mal 2 Monate nach vorn!“

      Ich habe ja noch ein gewisses Verständnis, wenn man so mit notorischen Pappenheimern ungeht, die es sicher auch gibt, aber nicht mit Leuten, die wie ich aus einem langjährigen Arbeitsverhältnis kommen.

      Und das ganze Theater nur, weil mir 42€ (die ich beim besten Willen nicht selber aufbringen konnte, die mich aber in Arbeit gebracht hätte) für eine digitale Fahrerkarte (so etwas ist in meinem Beruf mittlerweile Pflicht!) vorenthalten wurden. Stattdessen wurde ich lieber in einer 18 000 € teuren Sinnlosmaßnahme geparkt, wo ich mir zusammen mit obdachlosen Ex-Knackies etwas über Hauswirtschaft anhören durfte und neckische Basteleien auf Kondergartenniveau von uns verlangt wurden.

      Nunja. 42€ gegen 1 Jahr ALG I plus Aufstockung plus 18000 € für die neckischen Kindergartenbasteleien plus 2x Verfahrenskosten…

      Da muss man kein Rechengenie sein, um zu sehen, wie verkalkt und irrsinnig diese Strukturen sind.

  8. Hallo allerseits,

    @GSteinbach:

    Waren Sie jemals erwerbslos?

    Waren Sie jemals ALGII (H4) Bezieherin?
    Wenn ja, wie lange?

    Auf mich wirkt Ihr Kommentar als ob Sie nicht (wirklich) wissen, wovon Sie da eigentlich schreiben und den Lebens-Hintergrund der Menschen, die ALGII beziehen – ob erwerbslos oder nicht – nur SEHR begrenzt und unzureichend nachvollziehen können, wie so viele übrigens, die dann meinen, sich über die Menschen die ALGII als Einkommen haben und sich dafür eben in den Fängen dieses Drangsalierungs- und menschenverachtenden „-H4-System“ befinden…

    Ich hatte auch lange die Hoffnung, dass sich immer mehr ALGII-Bezieher zusammenfinden und -tun, um sich endlich GEMEINSAM zu wehren, ÖFFENLICH und LAUT, so dass sie nicht mehrt überhört, übergangen und unter den Tisch gekehrt werden kann, wie hier mit Menschen umgegangen wird.

    Ich habe einiges aus eigener Kraft auf die Beine gestellt, schon vor Jahren…., viele Flyer verteilt….geredet…..aber musste schmerzlich irgendwann einsehen, dass offenbar die meisten ALGII–BezieherInnen (merkwürdigerweise für mich) gar kein Interesse daran haben, sich wirklich zu wehren…ein paar ja, wenn es um sie persönlich geht…aber die große Masse….nö…gar nicht.
    Jeder war/ist sich selbst der nächste….
    Das Bewußt-Sein war/ist einfach nicht vorhanden, ist mein Eindruck.

    Und ich konnte und KANN es bis heute nicht verstehen…..und es fällt mir schwer, dass zu aktzeptieren und nicht sauer auf die zu werden….

    Ich habe es dann irgendwann aufgegeben, weil das „Amt“ mich so drangsaliert hat, und ich meine ganze mir verbleibende Kraft für mich selber und mein Kind benötigte….

    DAs, was Raph Boes macht, freut mich sehr.
    Es entspricht in großen Teilen dem, was sich auch für mich stimmig anfühlt.

  9. Ein Total Streik ist gar nicht notwendig, sondern jeder einzelne müsste gegen Sanktionen, Eingliederungsvereinbarungen,Leistungsbescheide , Widersprüche und Klagen einreichen.Obwohl es bisher nur wenige sind, die dies tun, müsste zum Beispiel das Berliner Sozialgericht 1 Jahr schließen, um die Fälle abzuarbeiten. So lange es der Regierung gelingt, auch unter Mithilfe der Medien, die Menschen untereinander auszuspielen, wird es keine Massenbewegung gegen Hartz4 geben.Leider sind aber einige der Hartzer nicht in der Lage selber Schreiben aufzusetzen und die Anwälte haben durch die zögerlichen Zahlungen der PKH und der Beratungshilfe, nur noch wenig Lust Hartzer zu vertreten.So lässt sich der Hartz4er ,wie ein Lemling an den Abgrund führen. Arbeitslose sind so überflüssig wie Galeerenruderer, es braucht Sie eigentlich niemand mehr, sie werden nur benötigt damit die Trommler ihre Daseinsberechtigung haben.

    WOW, DANKE FÜR DIESEN KOMMENTAR, HÄTTE NICHT BESSER AUSGEDRÜCKT WERDEN KÖNNEN !!

  10. Super Artikel werde mich darauf berufen, wenn ich nächstes Jahr wieder Sanktionen wiederspreche.
    Na ja die VerBILDung sollte man nicht so leicht abtun, zu viele lesen diese Hetze und warum nicht gerichtlich gegen diese Zeitung vorgehen, ich hab was Lebensmittelgutscheine angeht, was zusammengestellt:
    http://www.utopia.de/blog/dreistelliger-milliardengewinn-durch/lebensmittelgutscheine-krieg-gegen

    Selbst ex Bundeswehrsoldaten landen im Hartz4 System, es kann jeden betreffen: http://www.zeit.de/2012/49/Bundeswehr-Soldaten-Verletzte-Fuersorge-Mangel

    Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt, wer meint zum Billiglohn arbeiten zu müssen, der sollte bedenken: Im Alter wird man zum Sozialfall!
    Wenn alle jede Mindestlohnarbeit ablehnen, bricht diese gigantische Konjunkturbremse zusammen, genau wie dieses Zwangsarbeitsytem, wo ich von 83 bis 84 im Arbeitslager Bitterfeld zur Arbeit in der Chlor-Chemie gezwungen wurde:
    http://einestages.spiegel.de/s/tb/26057/zwangsarbeit-in-der-ddr-ikea-neckermann-und-quelle-profitierten-von-der-ausbeutung.html

    • Ihr Wort in Gottes Gehörgang. Leider wird die Situation nicht besser, sondern eher schlechter. Was da an Stellenangeboten bei AA und JC zu finden ist, ist definitiv nur prekärer Schrott, ernstzunehmende Arbeitgeber inserieren schon lange nicht mehr bei AA oder JC. Auch ich habe meinen Job nicht dort her, da mein Chef wegen schlechter Erfahrungen (Leider mit den von dort vermittelten Arbeitsuchenden) dort nicht mehr inseriert, aber die Luft war sehr dünn, da man eben ständig versucht hat, mich in einen dieser Dumpingjobs zu zwingen.

      Im Übrigen bin ich seit Jahren mal wieder durch die hiesige Altstadt gelaufen und was sehe ich? An jedem 2. Gebäude prangt mittlerweile so ein Schild von der Schmarotzerbranche. Ich bin dann umgedreht und habe meinen geplanten Altstadtbummel dann doch abgebrochen, weil mir doch eher zum Kotzen war.

  11. Danke für den guten Artikel – und die Bild lassen wir mal aus dem Spiel.

    In der Arbeitsagentur macht man sich auch so seine Gedanken. Dort wurde ein Diskussionspapier erstellt, das es wahrlich in sich hat (die FDP würde vermutlich an die Decke gehen) Ich poste den Link hier einfach mal. Ist ein PDF-Dokument – und sehr interessant: http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/121213_bundesagentur_analyse.pdf

  12. glückwunsch…sehr guter artikel! und ja,empört euch…lasst uns zusammen empört sein,zusammen sind wir stark und können unendlich viel bewegen!!!

  13. Glückwunsch an den Schreiber. Es ist mir schon lange nicht mehr klar, wie es in unserem Deutschland zu so einem Gesetz kommen konnte. Hartz4ler steht auf und macht es Ralph Boes nach!!! Seit nicht mehr so angepasst. Tragt die Idee mit, wenn viele streiken, nicht mehr auf das Amt rennen, dann kommt was in Bewegung. 6 Millionen Arbeitslose müssten zeitgleich streiken und die Politik steht Kopf. Der über 80jährige Stephan Hessel hat schon in seinem Heftchen geschrieben: Empört euch!

    • Fritzi, bei allem Respekt, aber kein Hartz4ler „rennt aufs Amt“. Ganz im Gegenteil!

      Deine Idee des Totalstreiks ist faszinierend und unterstützenswert. Aber vielleicht kannst Du uns erklären, wie man eine 100 %-Sanktion erstens physisch überleben soll (drei Monate ohne Nahrungsaufnahme!) und wie man zweitens einen Vermieter dazu überreden kann, drei Monate lang auf die Miete zu verzichten und sie NICHT NACHZUFORDERN. Denn für eine Nachzahlung ist kein Geld vorhanden. Und wieso müssten 6 Millionen Arbeitslose streiken? Weshalb streikt nicht die mehr und mehr verschwindende, aber trotzdem noch in Rudimenten vorhandene Mittelschicht, die als nächstes „dran“ ist? Weshalb immer die anderen und nie man selbst? Empöre Dich!

      • Wenn ALLE Arbeitslosen und Niedrig- sowie Sklavenlohnempfänger von hier auf jetzt einfach alles stehen und liegen lassen würden dann wäre das ein großer Knall in Deutschland und selbst dann kann niemand Sanktioniert werden, weil die Leute dann alle Jobcentren und die Regierung stürmen und ihr Recht auf Souverenität einfordern würden wie wir es laut Grundgesetzt nach unserem Ermessen machen dürfen da vom Volke aus die Staatsgewalt herrscht. So wurde es damals von den Siegermächten beschlossen, wir müssen es nur noch machen, keiner kann uns daran hindern.

      • Ein Total Streik ist gar nicht notwendig, sondern jeder einzelne müsste gegen Sanktionen, Eingliederungsvereinbarungen,Leistungsbescheide , Widersprüche und Klagen einreichen.Obwohl es bisher nur wenige sind, die dies tun, müsste zum Beispiel das Berliner Sozialgericht 1 Jahr schließen, um die Fälle abzuarbeiten. So lange es der Regierung gelingt, auch unter Mithilfe der Medien, die Menschen untereinander auszuspielen, wird es keine Massenbewegung gegen Hartz4 geben.Leider sind aber einige der Hartzer nicht in der Lage selber Schreiben aufzusetzen und die Anwälte haben durch die zögerlichen Zahlungen der PKH und der Beratungshilfe, nur noch wenig Lust Hartzer zu vertreten.So lässt sich der Hartz4er ,wie ein Lemling an den Abgrund führen. Arbeitslose sind so überflüssig wie Galeerenruderer, es braucht Sie eigentlich niemand mehr, sie werden nur benötigt damit die Trommler ihre Daseinsberechtigung haben.

      • Hallo Anna B, du fragst, wieso 6 Millionen Arbeitslose streiken müssen. Die Antwort ist einfach: Genau deshalb, weil sie selbst betroffen sind. Warum sollen denn Menschen, die nicht betroffen sind, streiken? – Der Totalstreik und Dauerdemonstrationen von auch nur der Hälfte der o.genannten 6 Millionen arbeitsloser Menschen würde HartzVier SOFORT abschaffen. Leider schaffen die Arbeitslosen das nicht. Es gibt immer 2 Seiten einer Medaille: Einer, der macht, und einer, der machen lässt. Dieses Prinzip lässt sich auch hier anwenden. – Ich muss leider bemerken, dass Arbeitslose es zum großen Tell selbst schuld sind, wie mit ihnen umgegangen wird. Würden sie sich in Massen auf die Straße bewegen (mit Massen meine ich tatsächlich Millionen, und das dauerhaft), könnten sie das System stürzen. Das wäre doch ein schönes Ziel, für das man viel opfern könnte, oder nicht? Aber sie wollen ja nicht, sie wollen anscheinend HartzVier und Sanktionen und all das. – Ich weiß, dass diese meine Worte eine bittere Wahrheit ist, und dass diese Wahrheit nicht gerne gehört wird in Arbeitslosenkreisen; wird man doch nicht gerne an den eigenen Anteil, den man an der derzeitigen Situation hat, erinnert. Aber ich wiederhole: Erwerbslose haben mind. 50 Prozent Anteil an ihrer eigenen Situation: Weil sie unfähig sind, sich zu organisieren und Widerstand zu leisten.

      • @ GSteinbach

        „Warum sollen denn Menschen, die nicht betroffen sind, streiken?“

        Weshalb haben denn damals so viele Menschen, die nicht betroffen waren, jüdische Mitbürger in ihren Kellern und Speichern versteckt und sie auf diese Weise vor dem sicheren Tod gerettet?

        „Das wäre doch ein schönes Ziel, für das man viel opfern könnte, oder nicht?“

        Suggestivfragen haben immer eine ganz besondere Qualität … Davon einmal abgesehen frage ich mich, wovon Hartz-IV-Empfänger denn noch „viel“ haben, das sie opfern könnten.

        Dieses „Opfern“ wäre doch eine schöne Aufgabe für diejenigen (noch) Nichtbetroffenen, die lt. Deinem Beitrag 50 % Anteil an der Situation der Hartz-IV-Empfänger haben, nicht wahr? Zumal sie im Gegensatz zu den Hartz-IV-Empfängern ausreichende Ressourcen (beispielsweise Geld, PCs, Internetanschluss etc.) und vor allem Freiheitsrechte (insbesondere Bewegungsfreiheit im ganzen Land) besitzen, die es ihnen ermöglichen, sich landesweit zu organisieren und zu demonstrieren.

  14. Hier ist ein interessantes Video über die Aktion von Ralph Boes:

  15. Guten Tag !

    Toller Artikel. Ich würde gerne bei http://www.MYHeimat.de (Schwerin 19063)über Ihren Blog berichten und den Artikel mit Quellenangabe dort einstellen oder zumindest verlinken. Hätten Sie etwas dagegen?
    Darüber hinaus würde ich mich freuen wenn ich die Möglichkeit hätte, Ihnen einige Informationen anbieten zu können, falls Sie Interesse haben, über Machenschaften einiger Ostdeutscher Politiker etwas mehr, zu erfahren.

    Mit freundlichen Grüßen

  16. Ein ganz großer Bericht! Großartig geschrieben, dem ist nichts mehr hinzuzufügen…außer: DIESER Artikel gehört mal in die BILD, damit es auch die dummen verstehen.

  17. Hallo Anonym
    Leider wird Ihre Website-Adresse nicht mit angezeigt. Von dem her, nochmals von mir eingefügt:

    http://www.elo-forum.org/euro-job-mini-job/59378-400-job-kuendigen-massnahme-arbeitsamt.html

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