Die Würde des Menschen – Hungerstreik

Wie weit muss die Würde eines Menschen angegriffen werden, um in einen durchgedachten Hungerstreik zu gehen? Hier spreche ich von dem Hartz IV-Empfänger Ralph Boes (55). Ein in Berlin wohnender arbeitsloser, nachdenklicher und kritischer Geisteswissenschaftler. Durch seinen selbst angesetzten Hungerstreik möchte er nicht auf noch seine restlichen ihm zur Verfügung stehenden 37,40 €, nach einer 90-prozentigen Sanktion aufmerksam machen, sondern einen notwendigen Präzedenzfall schaffen. Sein Ziel ist der Stopp des grundgesetzwidrigen Sanktionssystems in Hartz IV über eine Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe. Sein Anliegen ist die Beibehaltung der Würde des Menschen, auch unter Hartz IV. Dabei beansprucht er ein unbedingtes Recht auf ein freies, selbstbestimmtes Leben. Dieses solle nicht von außen vorgeschriebenen Tätigkeiten bestimmt werden (Grundrechte Brandbrief). Aktionen wie Briefe an entsprechende Ministerien, an sein Jobcenter Berlin-Mitte, Bundespräsidenten und Bundeskanzlerin sind nur ein kleiner Teil, um „Schreibtischtäter“ aufzurütteln.

Eine Veränderung sehe ich leider jedoch nicht. Wie auch? So sagt ein Sprichwort: „Der Fisch stinkt vom Kopfe her.“ Wer ist der Kopf? Die Regierung? Die Regierung, welche die Hartz IV-Gesetze mit Freude ins Leben gerufen haben und alles dafür tun werde, genau diese in Anbetracht der kommenden Bundestagswahl, nicht aufköcheln zu lassen. Zu heiß, man könnte sich dabei verbrennen. Die Mitarbeiter in den Jobcentern? Die Angst um ihren Job oder Entfristung haben, wenn sie nicht konform arbeiten. Die mit Repressalien rechnen müssen, wenn den Handlungsanweisungen nicht entsprochen wird. Die vielleicht Angst um ihre eigene Courage haben, wenn sie den Menschen auf der anderen Seite des Tisches, als Menschen sehen. Und beginnt genau hier nicht die Würde? Die Würde in der Achtung des Gegenübers und die Anwendung der Weisungen und deren menschlichen Auslegung. Nun kann ich viel darüber sinnieren. Fakt ist jedoch, in den grundlegenden Bestimmungen des Hartz IV-Systems muss sich was ändern. Fakt ist auch, die zum Teil vorliegenden Auffassungen der eigenen Arbeit in einem Jobcenter muss hinterfragt werden. Und hier kann und muss ein Umdenken erfolgen. Unabhängig davon, wer auf welcher Seite sitzt: Es sind Menschen, mit Leib und Seele. Und diese Seelen müssen „wärmer“ werden – in Achtung auf beiden Seiten und ohne Ausübung diskriminierender Machtgedanken oder Handlungen auf der Amtsseite.

Ralph, dir wünsche ich viel Kraft und Dank für deinen Mut.

Weitere Infos über Ralph Boes:

Bürgerinitiative Grundeinkommen

Die Aktion – Hungerstreik

Für Grundeinkommen



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1 reply

  1. Wie Ralph Boes es sagt ..
    „Die Maschine läuft:
    Moral und Anstand sind weitgehend abgeschafft!“

    Leben bestimmende Dinge, Regularien und die Gesellschaft deren Werte und Ethik im weiteren Sinne betreffen, dazu eben auch Belange der Wirtschaft gehören wieder monopolisiert, staatlich monopolisiert. Das verlangt einen Staatsapparat der das Grundgesetz über alles andere stellt und einen Gesetzgeber der in erster Linie die Umsetzung des Grundgesetzes im Sinn hat bei der Schaffung von ‚Wohlstand und Freiheit für alle‘. Politiker sind aufgerufen die nicht einzig das Wohl der Wirtschaft im Auge haben sondern in ihrem Bewusstsein die Tatsache dass der Staat vom Volke gebildet wird und deshalb das Wohl aller Bürger zugrunde legen.

    Die Hartz-Gesetzgebung ist nur ein Teil, ein Indikator dessen was vorgeht in unserer Republik und gleichzeitig aber auch eine Basis dafür, Unrecht weiter zu begehen und auszubauen und ein Übungsfeld dafür was ein jeder zu berichtigen hat an Verhalten und Umgang miteinander. Die Hartz-Gesetzgebung hat die Gesellschaft geprägt und die Gesellschaft hat nunmehr die Aufgabe sich in Orientierung an den bestehenden sozialen Missbildungen zu entwickeln, hin zu einer neuen besseren Welt, die Moral, Anstand und den Menschen an erste Stelle stellt.

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