Hamburg bekennt Farbe – Demonstration gegen Naziaufmarsch

Demonstranten vor dem Hamburger Rathaus gegen Naziaufmarsch (IHa)

Hamburg ist bunt. Sehr bunt. Nach einem Aufruf durch die Bürgerschaft der Stadt Hamburg und 220 Initiativen wie Gewerkschaften, Organisationen, Parteien und Verbände demonstrierten mehrere Tausend Menschen auf dem Rathausmarkt. Unter dem Motto: „Hamburg bekennt Farbe“ setzten die Demonstranten ein Zeichen gegen den geplanten Naziaufmarsch in Hamburg-Wandsbek. Bereits vor dem Start um 11 Uhr füllte sich der Rathausmarkt mit jungen Familien, Teilnehmer zwischen 40 und 60 Jahren sowie zahlreichen grauhaarigen Beteiligten, welche das Naziregime noch selbst erlebt haben. Der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) erwähnte in seiner knappen fünfminütigen Rede, dass Hamburg eine weltoffene Stadt sei, wo braun keine Chance hat.

Unser Kreuz hat keine Haken

Es ist schlimm genug in 2012 gegen Nazis auf die Straße gehen zu müssen“, sagte Christa Goetsch der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen. Goetsch eine Teilnehmerin unter vielen Tausenden. Und während vor dem Hamburger Rathaus friedlich den Reden, der Musik oder den Workshops gefolgt wurde, marschierten rund 700 Nazis und mehrere Hundert Links-Autonome verspätet in Wandsbek ein. Schwarz und braun im Wechsel von Aggressionen und Brandsätzen in Mülltonnen oder Autos. Sitzblockaden von Gegendemonstranten, Einsatz der Wasserwerfer durch die Polizei und vier verletzte Polizisten ist das Ergebnis am frühen Nachmittag. In Hamburgs Mitte hält derweil Harry Rowohlt eine Kurzlesung. Bischöfin Kirsten Fehrs spricht vom Kirchenkreuz, welches keine Haken hat und immer wieder der Aufruf von Farbe bekennen. Tausende Demonstranten halten in diesem Moment bunte Postkarten und Luftballons als Symbol gegen den Naziaufmarsch in die Luft. Ballons fliegen gen Himmel und Hamburg ist in diesem Moment bunt. Einfach nur bunt. Und Wandsbek mit seinen Krawallen weit weg.

Trommeln gegen Nazis (IHa)

Fazit

Rund 10 000 Demonstranten verteilt auf dem Rathausmarkt sowie Blockaden in Wandsbek und Eilbek; Rund 4200 Polizisten davon 19 Verletzte, 12 Festnahmen, 63 Demonstranten in Gewahrsam, brennende Mülltonnen, Einsatz von Wasserwerfern, hohe Gewaltbereitschaft der Links-Autonomen, teilweise komplett Sperrung der S-Bahn und des Busverkehrs ab Landwehr bis Hasselbrock, kurzfristige Routenänderungen durch die Polizei aufgrund hoher Gewalt zwischen Rechtsextreme sowie den Links-Autonomen.

Mag die Berichtserstattung der Krawalle in den Medien die Demonstration überschatten, so kann gesagt werden, dass sie gegen den Aufmarsch der Nazis ebenso friedlich verlief. Allerdings stellt sich die Frage, mit welcher Begründung die Links-Autonomen solch eine hohe Gewaltbereitschaft zeigten. Und warum lässt eine „weltoffene“ Stadt wie Hamburg überhaupt solch einen Aufmarsch zu? Warum schaffte es Hannover die Nazidemo am 1. Mai mithilfe des Bundesverfassungsgerichts zu verbieten? Was versteht Scholz unter weltoffen? Fragen, die sich mir nicht erschließen und ich trotzdem froh bin, dass es sehr viele Menschen gab, die Farbe bekannten.

Demonstranten und Polizeiaufgebot in der Hasselbrockstraße





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